Ich möchte Musik studieren!

Ein Schlachtruf von Kindern und Jugendlichen, ausgestoßen in Begeisterung und Euphorie gegenüber der heiligsten aller Künste, der Musik.

Selbst in unserer heutigen "aufgeklärten" Zeit erschaudern Eltern immer noch davor und raten eindringlich, doch einen "bürgerlichen", einen "anständigen" Beruf zu ergreifen, und keine "brotlose" Kunst.

Gerade am Ende eines Schuljahres schwirren die Gedanken, insbesondere vor dem Hintergrund einer eben erfolgreich abgelegten Reifeprüfung einer allgemeinbildenden bzw. berufsbildenden höheren Schule, begleitet von einer meist noch erfolgreicher gemeisterten Abschlußprüfung der Oberstufe an einer Musikschule, in Richtung Musik - ja, nein? - und umkreisen in euphorischen Zukunftsvisionen u.a. Künstlertum, wissenschaftliche Verwirklichung, Hinterfragung von pädagogischen Neigungen.

Nun, gerade die Hinwendung zu einem Universitätsstudium künstlerischer, kunstpädagogischer bzw. künstlerisch-wissenschaftlicher Ausrichtung vollzieht sich nicht erst zum Zeitpunkt des Vollbrachtseins der hiezu formalen und vorbereitenden Abschlüsse, sondern beginnt sich Jahre zuvor, wenn nicht schon in  der Kindheit zu entwicklen und auszuformen.

Und hier beginnt die vornehmste Verantwortung in einem künstlerisch und kulturell aufgeschlossenem Elternhaus. Künstlerisches und kulturell geprägtes Leben und Erleben können und dürfen nicht auf Initialzündungen in diversen Schulveranstaltungen der Schule reduziert und auf diese abgeschoben werden. Diese Phänomene sind vorrangig der Pflege und Förderung im verständnisvollen Elternhaus zu überantworten. Die Fertigkeiten und Wissensgrundlagen hiezu vermitteln gemeinsam Regelschule und Musiklehranstalt.

Künftigen Kunststudenten fällt in unserem dualen Ausbildungssystem ohnedies die Doppelbelastung Regelschule - Musiklehranstalt zu, ohne die ein Studienbeginn nicht erfolgreich angestrebt werden kann. Und hiefür sollte von allen an der Ausbildung Beteiligten Verständnis und verantwortungsvolle Führung eingebracht werden. Denn - inwieweit hängen Erfolg oder Mißerfolg einer Schularbeit am folgenden Tag vom Verzicht auf ein Konzert, einen Theaterbesuch, eine Exkursion ab!?

Im künstlerischen, kunstpädagogischen und kulturwissenschaftlichen Bereich der universitären Ausbildung bieten sich mannigfaltige Gestaltungsmöglichkeiten des Studiums an. Insbesondere der allgemein-musikalische und kulturwissenschaftliche Ausbildungsbereich der Musikschulen, eingerichtet im Sinne des "Organisationsstatuts für Musikschulen in Steiermark" und dessen Lehrplänen bietet, je nach individuellem Schulprofil, eine wertvolle, vertiefende und ergänzende und bis zum Abschluß der Oberstufe begleitende Ausbildungsmöglichkeit zur Vorbereitung eines künftigen Kunst- und Kulturstudiums. So fand eben am 31. Mai 2000 ein höchst informativer "Tag der offenen Tür" mit dem Thema "Keine künstlerische Tätigkeit ohne kulturwissenschaftliche Reflexion - Die Musik im Kontext der Kulturwissenschaft" an den Instituten für Musikwissenschaft, Volkskunde und Kulturanthropologie an der Karl-Franzens-Universität Graz für Schülerinnen und Schüler der Musiklehranstalten der Steiermark und des Musikgymnasiums Graz statt.

Die Kunstuniversitäten bieten die Vokal- bzw. Instrumentalstudien (sog. "Konzertfächer") mit allen Ausweitungen in die diversen Sparten des Musiktheaters bis hin zu Film und Fernsehen an. Für künstlerisch-pädagogisch und künstlersich-wissenschaftlich Interessierte und Begabte empfehlen sich die Studienrichtung "Instrumental(Gesangs)Pädagogik", abgekürzt IGP sowie das Lehramtsstudium "Musikerziehung", welches entweder mit "Instrumentalmusikerziehung" oder einem anderen wissenschaftlichen Fach gepaart werden kann.

An den geisteswissenschaftlichen Fakultäten warten eine Reihe von Studienmöglichkeiten im kulturwissenschaftlichen Bereich. U.a. Musikwissenschaft, Volkskunde und Kulturanthropologie, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Germanistik, sie alle müssen mit einem sog. 2. Fach kombiniert werden, wobei dieses auch durch ein sog. "Fächerbündel", welches entsprechend den Vorschriften der einzelnen Studienrichtungen individuell zusammengestellt, ersetzt werden kann.

Also - genießt Eure wohlverdienten Ferien - herzliche Gratulation allen unseren Absolventen - hinein in die Kunst, die Pädagogik, die Kulturwissenschaft - viel Erfolg bei Eurer Studienwahl und im weiteren Studium - und - auf Wiedersehen vielleicht in ein paar Jahren auf dem Konzertpodium, auf der Bühne, in der Schule, im Kulturmanagement, in den Medien, in der Museumslandschaft - usw.!