Dient zum Unterrichtsgebrauch
in den Lehrveranstaltungen Allgemeine Musiklehre, Musikkunde 1, 2, 3 (und
Fortsetzungen) an den Musikschulen
in Steiermark gemäß Lehrplan des "Organisationstatuts
für Musikschulen in Steiermark" (Erlaß des Bundesministeriums
für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Z 24.420/1-III/A/4/98
vom 1. April 1998).
Abonnement, Der Abonnent kauft die Eintrittskarten für eine vorgegebene Veranstaltungsserie, wie z.B. Abonnementkonzerte, Premièrenabonnement, Dienstagabonnement etc. in ihrer Gesamtheit und nicht für Einzelveranstaltungen.
Akademie, ein Hain in Athen, in welchem Plato seine Schüler unterrichtete. In der Renaissance gab sich eine Gesellschaft von Gelehrten und Kunstfreunden, die sich 1470 am Hof der Medici zusammenfand, den Namen Platonische Akademie. Der Name A. für solche Gesellschaften hat sich bis heute erhalten, z.B. Akademie der Wissenschaften. Beethoven veranstaltete in Wien Konzerte, welche man damals Akademien nannte, und in welchen u.a. seine Symphonien uraufgeführt wurden. Bis zum Jahre 1973 hießen die heutigen Kunsthochschulen in Österreich (Hochschulen für Musik und darstellende Kunst, für bildende Kunst, für angewandte Kunst) Akademien.
Aktionskunst, Sammelbegriff für eine im Dadaismus vorbereitete Ausdrucksform der Gegenwartskunst mit stark aktionistischem Charakter wie z.B. Happening, Performance, Fluxus, Aktionismus u.ä.
Akustik, die Lehre vom Schall. Die Musikalische Akustik untersucht die physikalischen Grundlagen der Musik, der Musikinstrumente, der Räume usw.
Aleatorik, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Allegorie, von griechisch allegoria = das Andersgesagte. Bildhafte Darstellung abstrakter Begriffe. In der Dichtung und der bildenden Kunst werden abstrakte Begriffe wie z.B. die Jugend, das Alter, die Guten Werke, der Mammon, die vier Jahreszeiten, die Tugend usw., auch durch menschliche Gestalten (Personifikationen) dargestellt.
Amphitheater,
für Tierhetzen und Spiele bestimmtes Theater der Römer mit elliptischer
Arena und ringsumlaufenden Sitzbänken. Im modernen Theater bezeichnet
man die ansteigenden Sitzreihen in Balkon und Galerie als A.
Angewandte
Kunst, auch: Design, Gebrauchskunst, Kunstgewerbe, Kunsthandwerk,
Produktgestaltung, Industrial Design. Kunst, die auf einen Gebrauchsgegenstand
angewandt wird. Hochschulen für angewandte Kunst in Wien und für
künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz.
Apotheose,
1.
Verherrlichung, Verklärung, Vergöttlichung eines Menschen, besonders
von Herrschern der röm. Antike und des Absolutismus; Herkunft
aus dem orientalischen Herrscherkult.
2. Prächtiges Schlußbild
eines Bühnenstückes.
3. Bildliche Darstellung
der Vergöttlichung eines Menschen in der bildenden Kunst.
Applaus,
Beifallskundgebung für die Leistung eines Künstlers durch
Klatschen mit den Händen, Stampfen mit den Füßen, Bravorufe
usw. Sonderformen des A.: Standing ovations (das Publikum spendet den A.
stehend), Auftrittsa., Szenena. Im übertragenen Sinn spricht man von
einem "Vorhang", wenn die Künstler den A. vor dem Vorhang in Form
eines "Solo- oder Ensemblevorhanges" entgegennehmen. Mißfallen äußert
das Publikum durch Buhrufe, Auspfeifen usw. Bei einzelnen Veranstaltungen
bzw. Werken ist der A. unerwünscht. Z.B. Aufführung sakraler
Werke während eines Gottesdienstes; "Vorhangverbot" am Wiener
Burgtheater; A.verbot während des Bühnenweihefestspiels "Parsifal"
von Richard Wagner.
Apsis, von griechisch apsis = Bogen, Krümmung. Halbrunder oder polygonaler (vieleckiger) Raumabschluß, besonders der Choranlage einer Kirche, mit einer Halbkuppel überwölbt, meist ostwärts orientiert, Bezugspunkt des gesamten Baues.
Arabeske, arab.-ital.-franz., in der bildenden Kunst ein stilisiertes Pflanzenornament. Die A. ist aus hellenistischen Ursprüngen entwickelt worden, hat sich zunächst im islamischen Kulturkreis verbreitet und wurde schließlich in der Renaissance eine beliebte und verbreitete Dekorationsform. In der Musik ein Charakterstück, z.B. Claude Debussy, Zwei Arabesken.
Architektur, siehe Bildende Kunst
Arie,
Ariette, siehe Vokalmusik
Ars
antiqua, Alte Kunst. Mit diesem Begriff verbindet man die erste
Blüte der Mehrstimmigkeit im 12. und 13.Jh.. Sie blühte in Nordfrankreich
und in der Kathdedrale Notre Dame in Paris.
Ars
nova, Neue Kunst, benannt nach einer Schrift von Philippe de
Vitry, entstanden wahrscheinlich um 1300 in Paris. Die A.n. reicht bis
zum Auftreten der ersten Meister der niederländischen Polyphonie,
etwa bis 1430.
Art Brût, franz. rohe Kunst. Von Jean Dubuffet in Anlehnung an die bildnerischen Darstellungen von Kindern, Geisteskranken und sog. Primitiven im bewußten Gegensatz zur bürgerlich-akademischen Kunst entwickelte Seh- bzw. bildnerische Darstellungsweise, die möglichst ursprünglich-kreativ, unkompliziert und ungekünstelt sein will.
Art Deco, Modestil, der sich für die angewandte Kunst zwischen den zwei Weltkriegen durchgesetzt hat. Der Name Art Deco ist eine Abkürzung für die erste internationale Ausstellung von Objekten des neuen Kunstgewerbes "Exposition des Arts Décoratifs et Industriels Modernes" in Paris 1925. Voraussetzung zur Art deco war die Art Nouveau bzw. der Jugendstil.
Artes liberales, lat. freie Künste. In der Antike der Inhalt der eines Freien würdig erachteten allgemeinen Bildung. Im Mittelalter auf sieben Fächer festgelegt, die sich auf das sprachlich-formale Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und das mathematische Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) verteilten.
Artikulation, bedeutet Aussprache und meint zunächst die Bildung der Vokale und Konsonaten durch die menschliche Stimme. In der Musiklehre bedeutet A. die Trennung oder Verbindung von (Melodie) Tönen.
Art Nouveau, franz. neue Kunst. In Frankreich gebräuchliche Bezeichnung für den Jugendstil.
Auktion, öffentliche Versteigerung von Sachen durch einen Auktionator an den Meistbietenden. Berühmte Auktionshäuser, die sich auch mit der Versteigerung von Kunstwerken beschäftigen, sind: Sotheby Parke Bernet Group, Christies (London, New York), Wiener Dorotheum.
Autodidakt, Person, die sich ihre (Spezial-) Kenntnisse ganz oder weitgehend außerhalb des üblichen Bildungsganges durch "Selbstunterricht" erworben hat.
Autograph, griech. selbst geschrieben, das vom Schöpfer (Komponisten) selbst geschriebene Werk (im Original). Vgl. Manuskript.
Autorenschutz, siehe Urheberrecht
Ästhetik,
von griech. aisthesis = Sinneswahrnehmung, "Lehre vom Schönen". Die
allgemeine Ä. untersucht die ästhetische Aktivität als ein
generelles schöpferisches Vermögen des Menschen, das in der Beziehung
zu jedem Phänomen wirksam wird. Die spezielle Ä. studiert die
Entwicklungsgesetze der Kunst, ihren ideellen Gehalt und ihre formalen
Qualitäten sowie ihre Rolle in der Gesellschaft (Kunsttheorie).
Die besonderen Formen ästhetischer Aktivität werden in
zeichenhafter Gestalt bei der Entwicklung des gesellschaftlichen Lebensprozesses
wirksam: Musik, Tanz, Dichtung, Theater, bildende
Kunst Film usw. Vgl. die Musikästhetik als Teilbereich der systematischen
Musikwissenschaft.
Basilika, von griech. basileus = König, die Königshalle. Ursprünglich Sitz des Archont Basileus (Leiter der Athener Stadtverwaltung). Von den Römern als Gerichts- und Markthalle übernommen. Typisch für die B. ist das erhöhte Mittelschiff, das von zwei oder vier Seitenschiffen begleitet wird. Als das Christentum durch das Edikt von Mailand 313 den anderen Religionen des römischen Reiches gleichgestellt wurde, suchte es nach einem geeigneten Kultraum und fand ihn in der B.
Belcanto, ital. schöner Gesang, bezeichnet die ital. Art des Singens. Der B. legt nicht so sehr Gewicht auf die charakteristische Gestaltung der Töne nach dem Wortinhalt, sondern auf absolute Schönheit, Rundung und Fülle des Melodieflusses. Der B. hat insbesondere in den Kantilenen der ital. Komponisten Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti, Gioacchino Rossini, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini Ausdruck gefunden.
Benefizveranstaltung,
für einen Auftritt im Rahmen einer B. erhalten die Künstler kein
Honorar, sondern spenden dies für einen bestimmten Zweck. Z.B. für
den Wiederaufbau eines Opernhauses, für die Krebshilfe u.a.
Biedermeier,
abgeleitet von "Gottlieb Biedermeier", seit 1855 Deckname der Verfasser
"biedermännischer" Gedichte in den "Fliegenden Blättern" 1844
- 1944, einer Zeitschrift, die eine kritische Haltung gegen die Zustände
ihrer Zeit einnahm. Bezeichnung für die gediegen - bürgerliche
Kultur und Kunst des sog. "Vormärz", die Zeit von 1815 - 1848 in Deutschland
und Österreich. Das wirtschaftlich aufstrebende (Klein-)Bürgertum
wurde von der politischen Mitbestimmung ferngehalten und konzentrierte
sich demzufolge auf die enge, vertraute Umwelt, speziell auf deren angenehme
Seiten, wobei soziale Mißstände geflissentlich übersehen
wurden. Dieser Rückzug in den privaten Bereich vollzog sich in einer
Gesamtstimmung von "Weltschmerz", der sich in der für diese Zeit sprichwörtlich
gewordenen "Tränenseligkeit" äußerte.
Bild,
1.Physikalisch: Wiedergabe eines Objekts durch ein optisches System.
2. Im Theater dramturgische
Bezeichnung für einen Abschnitt innerhalb eines Aktes.
3. In der bildenden Kunst
bezeichnet B. meist das Werk eines Malers und Grafikers, seltener das des
Bildhauers.
Bildende
Kunst, traditioneller Sammelbegriff für Malerei,
Grafik und Bildhauerei bzw. Plastik. Im strengen Sinn nur auf diese
angewandt, weil sie Bilder bzw. Bildwerke erzeugen. Der Sprachgebrauch
rechnet aber meist auch Architektur und Kunstgewerbe dazu. An der
Akademie (Hochschule) der bildenden Künste in Wien gibt es sog. Meisterschulen
für Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Naturstudien, Bühnengestaltung,
Medailleurkunst und Kleinplastik, Restaurierung und Konservierung sowie
für Tapisserie.
Bildhauerei, siehe Bildende Kunst.
Bruitismus, von franz. le bruit = Lärm, die Freude am Lärm. Die italienischen Futuristen vor dem 1.Weltkrieg unter der Führung von F.T.Marinetti förderten solche Musik. Der B. bildete eine Gegenbewegung gegen die ätherische Musik des Impressionismus.
Büste,
von ital. busto = plastisches Brustbild eines berühmten Menschen.
In der röm. Antike vor allem für Toten- und Herrscherporträts
verwendet; im christlichen Mittelalter als Reliquienbüste oder Schmuck
an Chorgestühlen oder Gebäuden. Neuerliche Blüte im Klassizismus
und Historismus.
Chor,
von griech. choros = Tanz, Reigen; im antiken Drama Gruppe der gemeinsam
sprechenden und singenden Mitspieler, welche das Geschehen kommentieren.
1. In der Musik die Gemeinschaft
von Sängern im gemeinsamen (chorischen) Vortrag einer Komposition.
Siehe auch Vokalmusik.
2. In der Baukunst der ursprünglich
für die Sänger (den Chor) bestimmte Ort in der Kirche. In der
Basilika erweiterter Altarraum, der an das Querschiff anschließt.
Am Ostende des Chores liegt die Apsis.
Choreographie,
von griech. choros = Tanz, Reigen, eigentlich Tanzschrift. Heute wird unter
Choreographie nicht mehr die schriftliche Niederlegung von Tanzbewegungen
verstanden, sondern die Erfindung der Tanzbewegungen, der Tanzhandlung.
Die Funktion des Choreographen entspricht für den Tanz etwa der des
Regisseurs für das Schauspiel und das Musiktheater.
Cinquecento,
ital. = 500 (Abk. für 1500), Bezeichnung für die Kunst des 16.Jh.s
in Italien (Hochrenaissance, Manierismus, beginnendes Barock).
Collage,
von griech. kolla = Leim, Klebestoff.
1. In der Literatur seit
Ende der sechziger Jahre unseres Jahrhunderts Bezeichnung der Technik der
zitierenden Kombination von oft verschiedenartigem vorgefertigtem sprachlichen
Material.
2. In der Musik eine Komposition,
die aus einer Verschränkung vorgegebener musikalischer Materialien
besteht (im Unterschied zum musikalischen Zitat, das innerhalb einer Komposition
auftritt)
3. In der bildenden Kunst
Bild aus verschiedenen auf den Bildgrund aufgeklebten (flächigen)
Materialien, wie z.B. Papiere, Stoff, Sand, Späne u.ä.
Concerto grosso, siehe Instrumentalmusik
Copyright, siehe Urheberrecht
Cover,
Titelblatt, -seite einer Illustrierten, auch Schallplattenumschlag. Umhüllt
den Inhalt.
Début, aus franz. début entlehnt, "erstes Auftreten", erster öffentlicher Auftritt, erstes öffentliches Konzert, erste öffentlich gesungene Opernpartie eines Künstlers. Dazu: Debutant, debutieren.
Dekoration, von lat. decorare = schmücken, zieren. Allgemein die Gesamtheit aller zur Ausschmückung dienenden hinzugefügten Gegenstände und Ornamente für einen Einzelgegenstand, Raum (Innenraum, Schaufenster, Bühnenraum) oder ein Bauwerk (z.B. Fassade).
Denkmal,
1. Im weiteren Sinn jedes bewegliche und unbewegliche Werk, dem kunst-
oder kulturgeschichtliche Bedeutung beigemessen wird.
2. Im engeren Sinne plastisches
oder architektonisches (Kunst-)Werk, als Gedächtniszeichen (Monument)
für eine Persönlichkeit , ein Ereignis oder als Hoheits- bzw.
Rechtssymbol.
Deus
ex machina, lat. Gott aus der Maschine, in verschiedenen griechischen
Tragödien wurde ein auswegloser Konflikt durch den Machtspruch eines
mit Hilfe diverser Bühnenmaschinen meist von oben erscheinenden Gottes
gelöst. Siehe auch: Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Dilettant, von ital. diletto = Vergnügen. Liebhaber einer Betätigung besonders in der Kunst, nicht berufsmäßig, begeistert, doch oft auch ohne Begabung und gründliche (nicht abgeschlossene) Ausbildung.
Diva, ital. "die Göttliche", gefeierte Schauspielerin oder Sängerin.
Divertimento, siehe Instrumentalmusik
Dodekaphonie, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Dom, von lat. domus = Bau, Haus. Bezeichnung für die Bischofskirche.
Doyen
(weibl. Doyenne), von lat. decanus, franz. Ältester.
1. Im Völkerrecht der
Sprecher des Diplomatischen Korps, der am längsten am Ort akkredidierte
Botschafter, sog. örtliche Anciennität (=Dienstalter).
2. In der Kunst im übertragen
Sinn der (dienst)älteste Schauspieler, Sänger im Ensemble eines
Theaters. Beispiel: "Paula Wessely, die Doyenne des Burgtheaters."
Dramaturg,künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter der Intendanz und der Regie, ist mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung verantwortlich für den Spielplan, die Zusammenarbeit mit Autoren, Öffentlichkeitsarbeit und - gemeinsam mit dem Regisseur (Siehe Regisseur) - für die Entwicklung eines Regiekonzepts.
Dramaturgie,
1.
äußerer Bau und innere Struktur eines Dramas.
2.
Bezeichnung für die dramaturgische Abteilung am Theater.
Drehbühne,
drehbare Kreisfläche im Bühnenboden oder aufgelegte Scheibe,
die die Möglichkeit zu sehr schnellen Bühnenverwandlungen bietet.
Siehe auch: Deus ex machina, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Dynamik,
Lehre von der Tonstärke (Lautstärke) und deren (dynamischen)
Bezeichnungen.
Engagierte Musik, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Ensemble,
Vereinigung von mehreren Instrumentalisten, Sängern, Tänzern
zum Zwecke gemeinsamer künstlerischer Betätigung.
Epitaph,
das, griech., Grabmal, Grabinschrift, an der Innen- oder Außenwand
der Kirche, oft auch an einem Pfeiler angebracht, aufgekommen um die Mitte
des 14. Jh.s als aufrecht stehender Grabstein mit der figürlichen
Darstellung des Toten. Siehe auch: Grabmal, Sarkophag,
Sepulcrum,
Totenmaske.
Erstaufführung, die nach der Uraufführung erste Aufführung in einem bestimmten Land, einer bestimmten Stadt.
Exlibris, lat. "aus den Büchern", kunstvoll gestaltete einklebbare Bücherzeichen mit dem Eigentumsvermerk des Besitzers.
Expertise,
Gutachten über das Alter , den Erhaltungszustand, die Urheberschaft
usw. eines Kunstwerkes durch einen Sachverständigen (Kunstexperten).
Expressionismus,
von lat. expressio = Ausdruck.
1. Allgemein zu allen Zeiten
mögliche Form von "Ausdruckskunst", in der durch Formbewegtheit und
betonte Farbigkeit gesteigerte geistig - seelische Erregung, Gefühle
und Stimmungen ohne Anspruch auf unmittelbare Wirklichkeitstreue zugunsten
einer "inneren Wahrheit" wiedergegeben werden, besonders in Zeiten großer
sozialer Umwälzungen (z.B. im ausgehenden Mittelalter).
2. Im engeren Sinn Kunstströmung
des frühen 20.Jahrhunderts besonders in Deutschland. Vorläufer
in der bildenden Kunst sind Vincent van Gogh, Paul Gaugiun und vor allem
Edvard Munch. Die meisten der zum E. zählenden bildenden Künstler
waren in Gruppen oder Gemeinschaften mit eigenen Programmen organisiert
(Brücke, Blauer Reiter).
In der Literatur (insbesondere
im Drama und in der Lyrik) dokumentiert sich der E. als Geisteshaltung
z.B. durch Gottfried Benn, Max Brod, Georg Trakl, Georg Heym, Franz Werfel,
Alfred Döblin und den frühen Bert Brecht.
In der Musik führte
der E. zur Auflösung der bisher geltenden harmonischen Gesetze in
die Atonalität.
"denn die Kunst ist der
Notschrei jener, die an sich das Schicksal der Menschheit erleben ...innen,
in ihnen ist die Bewegung der Welt; nach außen dringt nur der Widerhall:
das Kunstwerk" (Arnold Schönberg, 1910)
Als Höhepunkte des
E. gelten die Bühnenwerke von Arnold Schönberg "Erwartung" und
"Glückliche Hand", sowie "Wozzeck" von Alban Berg.
Fauvismus, von franz. fauves = wilde Tiere. Lose Künstlergruppe rund um den franz. Maler Henri Matisses, die 1905 erstmals an die Öffentlichkeit trat. Aus dem entsetzten Ausruf eines Kunstkritikers, "wie wilde Tiere" zu malen, leiteten sie ihren Kampfnamen ab.
Folklorismus, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Foyer, Wandel- und Aufenthaltsraum für das Publikum vor und nach der Aufführung sowie während der Pause. Das F. wurde im 18. Jh. eingeführt, als man das Theater als ein Forum bürgerlicher Öffentlichkeit konzipierte.
Fuge, kontrapunktische Form, siehe Instrumentalmusik.
Futurismus,
eine Anfang des 20.Jahrhunderts von Italien ausgehende "auf die Zukunft"
gerichtete revolutionäre Bewegung in der Literatur, der bildenden
Kunst und der Musik. Nach dem Vorbild des Italieners F.T. Marinetti veröffentlichte
Francesco Pratella 1912 das Manifest "Musica futuristica". Vgl. auch Bruitismus.
Gebrauchsgutgestaltung, siehe Angewandte Kunst
Genrebild,
von franz. genre = Gattung, Geschlecht, Art. "Sittenbild", ausschnitthafte
Schilderung typischer Zustände aus dem täglichen Leben einer
bestimmten gesellschaftlichen Schicht, oft mit belehrendem Charakter.
Gotik,
von dem italienischen Künstler und Künstlerbiographen der Renaissance
Giorgio Vasari abfällig als "stile gotico" benannt. Ein Stil, der
von den Goten, den "Barbaren aus dem finsteren Norden", geschaffen worden
war und der eigenen von der Antike geprägten Anschauung wesensfremd
war. Stilbezeichnung für die hoch- und spätmittelalterliche Epoche
der Kunst des Abendlandes, deren Anfänge bereits in der Mitte des
12. Jahrhunderts in Frankreich zu finden sind und die in vielen Teilen
Europas erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts ausklingt. Vorwiegend in
der Bildenden Kunst angewandter Begriff. Zur Musik der Gotik gehört
die Ars antiqua. In der Ars Nova waren bereits
Elemente der Renaissance wirksam.
Grabmal,
einem Toten an seiner Beisetzungsstätte errichtetes Erinnerungszeichen.
Es hat von Anbeginn in allen Kulturen eine erhebliche Rolle gespielt. Den
wohl monumentalsten Ausdruck erhielt das Grabmal im alten Ägypten
(Grabtempel mit Pyramide). Architekturartige Grabmäler in Turmform
entwickelten sich in Kleinasien seit dem 6. Jh. v. Chr. und führten
zum riesigen Mausoleum der spätantiken Kultur und zu Grabkapellen
(Theoderich-Grabmal in Ravenna). Die klassisch griechischen Grabmäler
waren im allgemeinen bescheidener und begnügten sich mit einer Grabvase
(Lekythos), einer Figur oder einer mit einem Relief geschmückten,
aufrecht stehenden Steinplatte (Stele,vgl. Stele), die im neuzeitlichen
Grabstein weiterlebt. Die christlichen Grabmäler des Mittelalters
befanden sich innerhalb und außerhalb der Kirche und bestanden aus
einer steinernen oder bronzenen Grabplatte, die oft auf einem kastenartigen
Unterbau, der Tumba, ruhte und seit dem Ende des 11. Jh.s die Figur des
Toten zeigt. Später erhielt das Tumbengrab einen Baldachin oder wurde
von Klagefiguren umgeben. In der Renaissance- und Barockzeit tritt das
Wandgrabmal in den Vordergrund und erhält die vielfältigste,
denkmalartige Ausgestaltung, z.B. Michelangelos Medici-Gräber in S.Lorenzo
in Florenz (1520-1534). Siehe auch: Epitaph, Sarkophag,
Sepulcrum,
Totenmaske.
Grafik, siehe Bildende Kunst
Gründerzeit,
siehe Historismus
Guckkastenbühne,
aus der Zeit der Residenztheater stammende, noch heute übliche Bühnenform,
wobei die Bühne durch einen Bühnenrahmen (Vorhang, Rampe) deutlich
vom Zuschauerraum abgegrenzt ist. Siehe auch: Deus
ex machina, Drehbühne, Gasse,
Kulisse,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Hochkultur, im Gegensatz zu "primitiver", "niederer" Kultur und zu traditionellen "Volks"-Kulturen ländlich-agrarwirtschaftlicher Gesellschaften Bezeichnung für Kulturkreise verschiedener historischer Epochen. Heute wird der Begriff "Hochkultur" vielfach auch im Gegensatz zu den vom offiziellen Kulturbetrieb bzw. von den diesen bestimmenden gesellschaftlichen Schichten (noch) nicht als "Kunst" oder "Kultur" anerkannten Formen kultureller Aktivitäten gebraucht (z.B. die "Subkultur", "Gegenkultur" oder "Alternativkultur" nichtsubventionierter gesellschaftlicher Randgruppen).
Hommage, von lat. homo = Mensch. Huldigung eines Künstlers durch sein Werk an eine bedeutende Person oder Sache.
Hosenrolle, Opernpartie, die eine männliche Figur verkörpert, aber für eine Frauenstimme komponiert ist. Z.B. Komponist in "Ariadne auf Naxos" und Octavian im "Rosenkavalier" von Richard Strauss.
Hörertypen, Typen musikalischen Verhaltens in der gegenwärtigen Gesellschaft (aus: Th.W.Adorno, Einleitung in die Musiksoziologie, 1968). Adorno unterscheidet sieben Typen, die nicht "chemisch rein" vorkommen. Der Experte, Der Gute Zuhörer, Der Bildungshörer, Der Emotionale Hörer, Der Ressentiment-Hörer, Der Hörer von Musik als Unterhaltung, Der Gleichgültige-Unmusikalische-Antimusikalische.
Humanismus,
neulat. Wort aus dem 19.Jh.. Die Geisteshaltung der Renaissance,
gekennzeichnet durch eine erneute, intensive, auf Quellenstudium gestützte
Wiederbelebung des antiken Gedankengutes. Im Vordergrund steht die sorgfältige
Pflege (Sammlung, Interpretation, Edition, Kommentierung) der antiken Überlieferung,
dann auch der Versuch, die antiken Autoren nachzuahmen. Der H. entstand
in Italien und breitete sich über ganz Europa aus.
Impressum,
lat. impressum = das Eingedrückte, Aufgedrückte.
Aufdruck auf Druckschriften
mit Angaben über Erscheinungsort- und/oder -zeit, Eigentümer,
verantwortlicher Redakteur, Herausgeber, Verleger usw.
Industrial Design, siehe Angewandte Kunst
Initiale, von lat. initialis = am Anfang stehend, bzw. lat. initium = Anfang. Zunächst ein durch seine besondere Gestaltung (Größe, Farbe, künstlerische Ausschmückung ) hervorgehobener Buchstabe am Beginn einer Hand- oder Druckschrift, später auch am Beginn eines Kapitels, einer Seite oder eines Absatzes. Zur Zeit der Romantik und des Jugendstils, als man die handwerkliche Kunst der Buchherstellung wiederbelebte, beschäftigte man sich auch wieder mit der Ausschmückung durch den I.en.
Inspizient,
Position im Theaterbetrieb. Der I. überwacht den Ablauf einer Vorstellung
und ist für deren reibungslosen Ablauf (Auftritte der Schauspieler,
Sänger, Tänzer, Heben und Senken der Vorhänge, Umbauten
usw.) verantwortlich.
Instrumentalmusik,
reicht bis an die Anfänge der Musik zurück. Alles Singen ist
vom Spiel der Instrumente begleitet gewesen, auch wenn dieses nur aus Klatschen
der Hände und Schütteln einer Rassel bestand. Die Vokalmusik
und die I. kennzeichnen zwei Möglichkeiten der abendländischen
Musik. Vokalmusik ist an die physiologischen Gegebenheiten der Stimmgattungen
gebunden. I. kann sich durch technische Erfindungen, Erweiterungen nach
Höhe und Tiefe, nach Geschwindigkeit in der Tonfolge usw. neuen Raum
schaffen und braucht vor Sprüngen nicht zurückschrecken, während
Vokalmusik an das Weiterschreiten gebunden ist.
Kleineren selbständigen Instrumentalstücken, Vortragsstücken, Charakterstücken (lyrischen Stücken, Genrestücken) für ein Soloinstrument, ein Melodieinstrument und Klavier u. dgl., liegen kleine oder große Liedformen zugrunde. Ihre in der Regel außermusikalischen Titel bezeichnen nicht eine bestimmte Form, sondern beziehen sich nur auf den Inhalt und den Charakter. Sie umfassen im weitesten Sinne:Inszenierung, Einrichtung und Einstudierung eines Bühnenwerkes und zugleich das Endprodukt dieser Arbeit, das vom Regisseur gestaltete Gesamtkunstwerk Aufführung.
Präludien (z.B. bei J.S. Bach), besonders Choralvorspiele, deren Charakter durch den Choraltext bestimmt wird; im 19.Jh. die Préludes von F.Chopin, im 20.Jh. jene von C.Debussy (mit Untertiteln) u.a.;
Stücke allgemeiner Art wie Tänze, Märsche, Fantasien, Klavierstücke, Bagatellen, Moments musicaux. Impromptus, Albumblätter usw.;
speziellere Charakterstücke wie Ballade, Berceuse, Capriccio, Elegie, Ekloge, Intermezzo, Lied ohne Worte, Nocturne, Rhapsodie, Romanze usw.;
Charakterstücke mit programmatischem Inhalt: Tombeau oder Lamento als Grab- oder Trauergesang. Battaglia als Schlachtenschilderung, Caccia als Jagdschilderung;
Charakterstücke mit außermusikalischem Inhalt, in einem Titel verbalisiert.Air, soviel wie Arie, Lied, im Gegensatz zu Tanzstück.
Bagatelle, soviel wie belanglose Kleinigkeit; kurzes, anspruchsloses Klavierstück, z.B. bei L.v.Beethoven und Max Reger.
Ballade, ursprünglich soviel wie Tanzlied (Ballata); dann Vertonung eines erzählenden Gedichtes von meist düsterem, tragischem Charakter; wie bei Carl Loewe und Franz Schubert. Auch Bezeichnung für Klavierstücke ähnlichen Inhalts (Johannes Brahms, Frédéric Chopin).
Barcarole (ital.), Schifferlied (Chopin, Jacques Offenbach).
Berceuse (franz.), Wiegenlied.
Burleske, derbkomisches Musikstück.
Capriccio (ital.), eigenwilliges (kapriziöses) Stück.
Elegie, Klage über Trennung, Tod und Verlust.
Impromptu (franz.), aus der Stimmung des Augenblicks entstandenes Musikstück (Schubert).
Interludium (lat.), Zwischenspiel.
Intermezzo (ital.), Zwischenspiel, Mrz. Intermezzi.
Legende, Erzählung aus dem Leben eines Heiligen.
Moment musical (franz.), musikalischer Augenblick (Schubert).
Notturno (ital.), franz. Nocturne, Nachtstück, nächtliches Stimmungsbild.
Postludium (lat.), Nachspiel.
Präludium (lat.), franz. Prélude, Vorspiel.
Rhapsodie, aus verschiedenen Teilen zusammengesetztes Musikstück.
Romanze, Liebeslied, lyrisches Instrumentalstück.
Scherzo (ital.), lustiger, schneller Satz im 3/4 Takt (auch 2/4 Takt); seit Beethoven Bestandteil der Sonate und der Sinfonie, anstelle des (ruhigeren) Menuetts.Die Suite, von franz. suite = Folge, (auch Partita, Ordre, Ouverture) ist eine Zusammenstellung von getanzten oder stilisierten Tänzen und tanzfreien Sätzen, besonders im Barock. Die Sätze stehen meist in gleicher Tonart. Ausgangspunkt für die Suite ist die Paarbildung von Tänzen: auf einen langsamen Schreittanz (in geradem Takt) folgt ein schneller, gesprungener Nachtanz (in ungeradem Takt). Die Suite der Barockzeit hat die Satzfolge: Allemande - Courante - Sarbande - Gigue. Zwischen Sarabande und Gigue werden weitere Sätze (Intermezzi) wie Menuett, Gavotte, Bourrée, Air u.a. eingefügt. Seit dem Versinken der Barocksuite wurden bis heute aktuelle Ballettsuiten (P.I.Tschaikowsky, Nußknackersuite), aktuelle oder stilisierte Tanzsuiten und historisierende "alte" Suiten, geschrieben, die in Gehalt und Charakter neu sind (E.Grieg, Holberg-Suite).
Nach dem Untergang der alten höfischen Tanzkultur trat die neue bürgerliche an ihre Stelle. Das aufwachende Nationalbewußtsein im 19.Jh. brachte dazu die Pflege und die Verbreitung der verschiedenen Nationaltänze.
Polonaise und Mazurka kamen aus Polen,
Polka und Schnellpolka aus der Tschechoslowakei,
Csardas mit seinem langsamen Lassu und schnellen Frizka aus Ungarn,
Bolero, Habanera und Tango aus Spanien,
Schottischer Walzer oder Ecossaise im schnellen Dreiertakt aus Schottland,
Deutscher Tanz, ein schneller, rustikaler Drehtanz, sowie der
Ländler als langsamer Drehtanz und der
Wiener Walzer als schneller Modetanz ab Beginn des 19.Jh.s, ferner der rasche
Galopp in geradem Takt aus Österreich, und der
Cancan im schnellen 2/4 Takt aus Paris ab etwa 1830.Alle diese Tänze fanden auch Aufnahme in die Operette des 19.Jh.s.
Im 20.Jh. wurden die angelsächsischen Tänze Mode, wie der langsame English Waltz (1920), dann die amerikanischen Tänze wie Foxtrott, Slow Fox, der jazznahe Blues und die Steptänze wie Charleston und Jitterbug, dann die lateinamerikanischen Tänze afrikanischen Ursprungs wie die brasilianische Samba (um 1920) und die kubanische Rumba mit Mambo und Chachacha (1953)
Die Sonate ist eine zyklische, aus mehreren selbständigen, aber zusammengehörigen Musikstücken, sog. Sätzen bestehende Komposition. Die klassische Sonate hat gewöhnlich vier Sätze:
1. Allegro moderato, 2. Adagio oder Andante, 3. Menuett oder Scherzo, 4. Vivace oder Presto.Die Sonatine ist eine kurze, leichte, selten mehr als zweisätzige Sonate.
In den Formen und Gattungen der Kammermusik, in Duos, Trios, Quartetten usw. (Quintett, Sextett, Septett, Oktett, Nonett, Dezimett) zeigt sich meist der viersätzige Sonatentyp. Die Serenade (ital. Abendmusik) ist meist mehr als viersätzig und hat wie das Divertimento (ital. "Unterhaltungsmusik") und die Cassation durchwegs heiteren Charakter.
Die Sinfonie (auch Symphonie) ist eine in großen Ausmaßen auf das Orchester übertragene Sonate. Sie ist in ihrer klassischen Form ein 4-sätziges Werk für Orchester nach dem Vorbild der Sonate.
Seit dem Ende des 16.Jh.s und im 17.Jh. bezeichnet der Ausdruck Sinfonia Werke für Orchester ohne bestimmte Formangabe. Vorläuferin der Symphonie wurde die Neapolitanische Opernsinfonia (Satzfolge: schnell - langsam - schnell), die sich im 18.Jh. aus ihrer Funktion als Opernouverture löste.
In der vorklassischen Sinfonia entfällt der Generalbaß, und die Streicher (4-stimmig - 1.Violinen, 2. Violinen, Violen, Celli/Kontrabässe) bauen ihre zentrale Stellung aus. Die Bläser (2 Oboen und 2 Hörner) übernehmen nur begleitende Funktionen. Führend ab etwa 1730/40 sind Oberitalien (G.B.Sammartini, 1700-1775), dann besonders die Mannheimer Schule (J.Stamitz, 1717-1757) und die Wiener Schule (G.M.Monn, 1717-1750 und G.Ch.Wagenseil (1715-1757).
Die klassische Symphonie repräsentiert sich vor allem im Werk von Joseph Haydn mit seinen 104 Symphonien (darunter die 12 Londoner Symphonien, 1795) und den 41 Symphonien von W.A.Mozart. Ab etwa 1765 sind die Symphonien 4-sätzig mit einem vor dem Finalsatz eingefügten Menuett.
1.Satz: Schnell - Sonatenform
2.Satz: Langsam - Liedform, Variationen, Sonatenform
3.Satz: Menuett - später Scherzo (ab Beethovens 2.Symphonie)
4.Satz: Schnell - Rondo, sonatenhaftes Rondo, SonatenformL.v.Beethoven steigert seine 9 Symphonien über den Gattungsbegriff hinaus zu Einzellösungen. Er erweitert die Form, vergrößert das Orchester und ersetzt das Menuett durch das bewegtere Scherzo. In seiner 9.Symphonie mit Schlußchor kombiniert Beethoven Symphonie und Kantate. Der Schlußsatz ist kein normales Finale mehr, sondern richtet sich gehaltlich und formal nach dem Text der Ode "An die Freude" von F.Schiller.
Die nachklassische Symphonie des 19.Jh.s entwickelt sich in zwei Richtungen, die sich beide auf Beethoven berufen:
die eine sucht den klassischen Symphoniebegriff reiner Instrumentalmusik mit romantischen Mitteln zu erweitern (Franz Schubert, 9 S.en; Felix Mendelssohn-Bartholdy, 5 S.en; Robert Schumann und Johannes Brahms, je 4 S.en; Anton Bruckner, 9 S.en; Jean Sibelius, 7 S.en; Peter I.Tschaikowsky, 6 S.en);
die andere sucht über ein außermusikalisches Programm neue symphonische Formen. Sie führt über die Programmsymphonie (Hector Berlioz, Symphonie fantastique) zur Symphonischen Dichtung (Franz Liszt; Richard Strauss, Till Eulenspiegel, Don Juan u.a.).Eine Synthese aller symphonischen Möglichkeiten unter Einbeziehung und Vereinigung instrumentaler und vokaler Mittel gelingt Gustav Mahler in seinen 10 Symphonien (Die 10.S. ist Fragment geblieben.).
1.Symphonie: 4 Sätze
2.Symphonie: 5 Sätze - Soli, Chor und Orchester
3.Symphonie: 6 Sätze - Soli, Chor und Orchester
4.Symphonie: 4 Sätze - Sopransolo (im 4. Satz)
5.Symphonie: 5 Sätze
6.Symphonie: 4 Sätze
7.Symphonie: 5 Sätze
8.Symphonie: 2 Sätze - 1.Satz: Pfingsthymnus "Veni crator spiritus"; 2.Satz: Schlußszene aus Goethe`s Faust II; Soli, 3 Chöre, Orchester
9.Symphonie: 4 Sätze - Satzfolge: Langsam - Schnell - Schnell - Langsam
10.Symphonie: nur 1 Satz vollendet; AdagioSpätromantische "Entgrenzung" der Aufführungsdauer, der -mittel usw.
Im 20.Jh. entstanden zahlreiche Symphonien für großes oder für Kammerorchester als Individuallösungen weit außerhalb des klassischen Gattungsbegriffes (A.Webern, I.Strawinsky, S.Prokofieff, D.Schostakowitsch u.a.).
Das Konzert hat Ähnlichkeit mit der Sinfonie, ist aber für ein virtuos geführtes Soloinstrument mit Orchesterbegleitung geschrieben. Es hat (seit Mozart) eine modifizierte, dreisätzige Sonatenform. Im Concerto grosso bei G.F.Händel wechseln mehrere Soloinstrumente, das sogenannte Concertino mit der Gesamtheit des Orchesters ab, dem sog. Tutti (Ripieno) oder Concerto grosso.
Variation und Passacaglia: Der langsame Satz einer Sonate (einer Sinfonie) hat manchmal Variationsform, indem auf ein Thema in zwei- oder dreiteiliger Liedform mehrere Variationen dieses Thema folgen. Man unterscheidet die formale Variation (auch Ornamental- und Figuralvariation), bei welcher nur Melodie und Begleitstimmen verändert, verziert, umspielt werden, die Form und der Ausdrucksgehalt des Themas aber beibehalten werden, und die Charaktervariation, welche den Ausdrucksgehalt verändert. Die freie Variation verarbeitet einzelne Motive zu neuen Formen, wobei die letzte Variation oft phantasieartig erweitert ist; selbständige Variationenwerke (M.Reger) bringen oft zahlreiche Variationen und schließen meist mit einer Fuge. Eine besondere Abart der Variation ist die Passacaglia, auch Chaconne genannt, eine alte Tanzform im Dreiertakt, die aus Variationen über einem immer wiederkehrenden meist 4- oder 8-taktigen Baß (basso ostinato) besteht.
Die Ouverture bedeutet soviel wie ein Eröffnungsstück, eine Einleitung zu Opern, Oratorien, Suiten. Die alte französische Ouverture (nach J.B.Lully) hatte die dreiteilige Form langsam - schnell - langsam, die italienische Ouverture (nach D.Scarlatti) hingegen die Satzfolge schnell - langsam - schnell; die klassische Ouverture steht in Sonatenform. Programmouverturen, die sich programmatisch auf den Opernstoff beziehen, setzen sich in der Romantik durch (z.B. Carl Maria v.Weber, Freischütz). Konzertouverturen sind programmatische Natur- und Seelengemälde in Tönen, komponiert für den Konzertsaal (Felix Mendelssohn - Bartholdy, Die Hebriden). Schauspielouverturen haben ebenfalls programmatischen Inhalt (Beethoven, Egmont; Mendelssohn, Sommernachtstraum). Potpourrieouverturen reihen die bekanntesten Melodien einer Oper oder Operetten aneinander (Johann Strauß, Fledermaus). Im Laufe des 19.Jh.s kommt das freie Opernvorspiel auf, das eine bestimmte Stimmung schildert und unmittelbar in der Oper überleitet (Richard Wagner, Tristan und Isolde.)
Die wichtigste kontrapunktische Form ist die Fuge (von lat. fuga = Flucht). Die Fuge ist ein mehrstimmiges Instrumental- oder Vokalstück, wobei der Terminus Fuge sich auf dessen spezifische polyphone Setzweise und zugleich auf dessen Form- und Bauprinzip bezieht. Die Stimmenzahl liegt in der Regel bei 3 und 4. Ihre exemplarische Gestalt erhielt die Fuge in der Bach-Zeit. Ihr strenges und zugleich phantasievolles Ordnungsprinzip galt als Abbild einer höheren Weltharmonie. Eine Fuge mit zwei Themen heißt Doppelfuge, mit drei Tripelfuge und mit vier Quadrupelfuge. Die Fughetta ist eine kleine, leichte Fuge, das Fugato eine kurze fugenähnliche Themenverarbeitung. Inventionen nennt J.S.Bach kleine zweistimmige Klavierstücke; die dreistimmigen bezeichnet er als Sinfonien.
Intuitive Musik, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
ISBN,
Internationale Standard Buch Nummer, z.B. ISBN 3-499-16142-7
Ragtime heißt der Klavierstil, der sich ab etwa 1870 von St.Lous ausbreitete. Er verband europäische Salon- und Tanzmusik (Märsche, Polkas usw.) mit Banjo-Spielart. Der Ragtime wird sehr virtuos um 1900-1910.Charakteristika des Jazz: Die Musizier- und Ausdrucksweise der Neger, die auf alte Praktiken ihrer afrikanischen Heimatländer zurückgeht, macht das Wesen des Jazz aus:
- Hot-Intonation: Die emotionsgeladene, der Negersprache verwandte, unsaubere Tongebung (dirty tones) beim Singen und Spielen mit Schleifen, Vibrato, Beben, Drücken, Brummen, Seufzern, Pausen und Geräusch. Die Blasinstrumente ahmen den Gesang nach (singing horns).
- Blue notes: Terz und Septe wechseln zwischen groß und klein wie eine Farbe, nicht wie Dur und Moll, besonders beim Blues.
- Off-Beat: alle Abweichungen von der regelmäßigen Schlagzeit (Beat); das reicht von der notierbaren Synkope bis zu feinster Verzögerung und Beschleunigung. Der Off-Beat bringt den typischen drive ("Intensität") und swing ("Schwung").
- Alteration: reichere Farben der funktionalen Harmonik, spätromantischer, impressionistischer Einfluß, bis zu gleichzeitiger Hoch- und Tiefalteration der Quinte usw..
- Call-and-Response-Prinzip: responsorialer Wechsel nach afrikanischem Vorbild zwischen Vorsänger mit Ruf (call, Statement) und Chor mit Antwort (response, Refrain), oft überlappend (bis mehrtextig); im Blues Gesang (Trp.) mit Ruf, Klavier (Pos.) mit Antwort.
- Improvisation: erst die Perfektion der Aufnahme bringt Arrangement und Komposition.
- Polyphonie: die Melodieinstrumente variieren, verzieren und umspielen die Melodie aus dem Stegreif, je nach Lage, Art und Temperament, sodaß eine Heterophonie und Scheinpolyphonie entsteht: die wendige Klarinette in der Höhe, die glänzende Trompete in der Mitte, die kräftige Posaune in der Tiefe; die Rhythmusgruppe bildet das harmonische und metrische Fundament. Die späteren Arrangements und Kompositionen bringen kontrapunktisch perfekte Polyphonie.Der Blues (Blue devils), Melancholie, Ausdruck der (Sklaven-)Not und Quelle des Jazz vom frühen ländlichen über den klassischen städtischen Blues bis heute. Der moderne Blues, oft rein instrumental, hält sich weder an den klassischen Aufbau noch an das alte langsame Tempo.
Dixieland (1900-20) ist die frühe Nachahmung des New-Orleans-Jazz durch weiße Musiker (Dixieland: im 19.Jh. die Südstaaten der USA).
Chicago (1920-30). 1917 schloß das Vergnügungsviertel Storyville in New Orleans. Viele Musiker gingen nach Chicago, Schwarze und Weiße spielten zusammen. Der Chicago-Stil hat Hot-Intonation usw. Der Chicago-Jazz begeisterte auch Europa und beeinflußte die Musiker der 20er Jahre.
Swing (1930-40). Die Plattenaufnahmen der 20er Jahre bringen außer Perfektion den Kommerz. Zum Zentrum wird New York mit dem Jazz am Broadway und dem symphonischen Jazz. Die kleine Band wächst an zur Big Band mit Show-Charakter. Der Swing beherrschte die U-Musik, das Musical und den Film.
Negro Spiritual. Die Neger der Südstaaten sangen ihre geistlichen Lieder zum Gottesdienst mit alten afrikanischen Bräuchen wie ostinates Händeklatschen und Fußstampfen, Reigentänzen vor der Kirche und aktiver Teilnahme an der Liturgie. Call and Response belebten den Priester-Vortrag. Man sang mit oder ohne Instrumente mit allen Ausdrucksarten der Schwarzen (Hot-Intonation usw.).
Bebop (1940-50). Aus den Big Bands fanden sich kleinere Solisten-Ensembles (Combos) in sog. Jam-Sessions zu experimenteller Jazz-Improvisation. Dabei entstand in Harlem um 1940 ein neuer Stil, der Bebop, der in seinen rasenden Tempi und Melodienfetzen die Zerrissenheit jener Zeit spiegelt.
Cool Jazz (1950-60). Der Exzentrik des Bebop setzt um 1950 der Cool Jazz eine differenzierte Kammermusik entgegen. Legatospiel, lineares Ineinander ohne harte Akzente, kontrapunktische Gewebe, Imitation öffnen sich europäischer E-Musik-Tradition samt Atonalität.
Mit dem Free Jazz (1960-70) begann ein letzter Schritt in Richtung moderne Musik (Postserialität), frei von Jazz-Traditionen wie Beat, Chorus, tonaler Harmonik.
Electric Jazz (1970-80). Ab etwa 1970 nutzt man zunehmend die Elektronik unter Einfluß des Rock, doch entstand bereits um 1975 die sog. Mainstream-Bewegung (eine Art Neue Einfachheit). Der Stilpluralismus bleibt erhalten.
Kammermusik, ital. Musica da Camera, franz. Musique de chambre, engl. Chamber-music. Mit dem Begriff K. wird alle Musik gemeint, die in der "camera", dem Musizierraum der absolutistischen Fürsten erklang. Damit unterscheidet sie sich nur wenig von der Hausmusik, die die Musik im Bürgerhaus meint. Die Kammermusik ist von der Musik in Kirchen und Opernhäusern zu unterscheiden. Ihre Besetzung ist stets solistisch. Ab der Klassik grenzt sich die Kammermusik auch von der aufkommenden Konzertmusik mit Chor, Orchester und großem Publikum ab. Sie wendet sich ihrem Wesen nach wie im Barock an einen kleinen Kreis von Kennern und Musikliebhabern. Vgl. auch Dilettant, Hausmusik.
Kantate, siehe Vokalmusik
Kapelle, siehe Orchester
Kathedrale, von griech. cathedra = (Bischofs-)Stuhl. Bezeichnung für die Bischofskirche, u.a. in Frankreich, Spanien und England (in Deutschland und Italien meist Dom). Als Bautyp herrschte zunächst die Basilika vor, in der Spätgotik die Hallenkirche.
Kavatine, siehe Vokalmusik
Kitsch,
erst seit der zweiten Hälfte des 19.Jh.s bezeugtes deutsches Wort
für "Schund; Geschmacklosigkeit". Der Ausdruck wurde zuerst um 1870
bei Malern bei Kunsthändlern in München gebraucht; verkitschen,
zu Geld machen. Meist handelt es sich um Werke des süßen K.:
Werke, die mit primitiven Mitteln schöne Illusionen und Rührung
erwecken wollen; auch grobe industrielle Nachahmungen volkstümlicher
Kunst, z.B. Andenkenkitsch. Eine strenge Unterscheidung zwischen K. und
Kunst ist schwer möglich.
Klassik,
von lat. classicus = "zur ersten Steuerklasse gehörig", d.h. "in jeder
Hinsicht vollkommen".
1. Im ursprünglichen
Sinn der Höhepunkt der griechisch-römischen Kultur.
2. In der Literatur einer
literaturhistorische Epoche, die den Höhepunkt der Literatur eines
Volkes darstellt, in der Neuzeit besonders dann, wenn diese Epoche auf
das Gedankengut der klassischen Antike zurückgreift.
3. In der Musik versteht
man unter K. die Zeit und den Stil der drei großen Wiener Meister,
Joseph Haydn, W.A.Mozart und L.v.Beethoven, die Wiener Klassik. Der Epochenbegriff
entstand nach Beethovens Tod, angeregt durch die Vollkommenheit des Satzbildes,
den hohen humanitären Gehalt und das Schönheitsideal, besonders
in der Musik Mozarts. Klassisch bedeutet allgemein soviel wie mustergültig,
schön, voll Ebenmaß und Harmonie, dabei einfach und verständlich.
Gefühls- und Verstandeskräfte, aber auch Inhalt und Form finden
ein Gleichgewicht in der Gestalt des Kunstwerks. Das 18.Jh. ist das Zeitalter
der Aufklärung, durch die der Mensch mit Hilfe seines Verstandes und
seines kritischen Urteilsvermögens zu Eigenständigkeit und Mündigkeit
gelangt (I.Kant). Die Aufklärung führt zum Zerbrechen der alten
Ordnung und zu einer neuen Vorstellung von Würde, Freiheit und Glück
des Menschen. An die Stelle der höfischen Kultur tritt mehr und mehr
die bürgerliche Kultur mit privatem Haus, Salon, Café, Saal.
Gegen barocke Lebensart, Schwulst, Pathos, Zeremoniell und Künstlichkeit
erhebt sich die Sehnsucht nach dem Einfachen und Natürlichen. In der
neuen bürgerlichen Musikkultur mit Hausmusik und Salonmusik, öffentlichem
Konzert und Oper, anonymem Publikum, Verlagswesen und Musikkritik muß
sich ein Musiker als freier Künstler behaupten. Die klassische Grundform
ist der Sonatensatz (Vgl. Instrumentalmusik).
Klassizismus,
von lat. classicus = "zur ersten Steuerklasse gehörig", d.h. "in jeder
Hinsicht vollkommen".
1. Allgemein: Orientierung
an klassischen Mustern und Regeln, wobei antike Formelemente dem Zeitgeschmack
angepaßt werden.
2. In der bildenden Kunst:
a.) Baustil nach 1600 in
Italien, Frankreich, England und Holland;
b.) Stilrichtung von etwa
1770 bis 1830.
Der K. entwickelte sich
parallel zum höfisch-katholischen Barock. Er
greift bewußt auf die, von Andrea Palladio in der Architktur ermittelte,
Formensprache der Antike zurück. Die Architektur des
K. übernahm die charakteristischen
Elemente der antiken Baukunst (Säulen, Dreiecksgiebel, Halbkreisbögen
und Tonnenwölbung). Im Mittelpunkt der die antiken Themen bevorzugenden
Plastik und Malerei steht die menschliche Gestalt.
3. In der Literatur: auf
die klassische Antike bezogener Stil- und Wertbegriff für Dichtung,
die sich antiker Stoffe und Stilformen bedient (im Deutschland des 18.Jh.s
z.B. bei Gottsched und Wieland).
Klavierauszug, Übertragung (Transkription) eines für andere Instrumente geschriebenen Tonsatzes auf das Klavier, um besonders bei Opern oder Orchesterwerken mit Solisten die Einstudierung anhand eines Klaviers (vgl. Korrepetitor) vornehmen zu können.
Komposition,
von lat. componere = zusammensetzen.
1. In der Musik das tonschriftlich
fixierte, reproduzierbare Produkt eines Komponisten.
2. In der Literatur der
Aufbau eines Sprachkunstwerkes.
3. In der bildenden Kunst
die nach Harmoniengesetzen vorgenommene Anordnung und Verbindung formaler
Elemente in einem Kunstwerk, z.B. Verteilung von Figurengruppen, Festlegung
von Bewegungsmotiven, Lichtverteilung usw. im Verhältnis zu allen
zur Darstellung gelangenden Dingen und zu dem sie umgebenden Raum.
Konzert, 1. musikalische (konzertante nicht szenische) Veranstaltung. 2. Gattung und Form der (Vgl.) Instrumentalmusik.
Konzertarie, siehe Vokalmusik
Kopie,
von lat. copia = Menge.
1. genaue Abschrift, Nachbildung.
2. Photographie, Abzug eines
photographischen Negativs auf lichtempfindliches Papier oder Kinofilm.
3. Drucktechnik, die photomechanische
Übertragung eines Negativs auf eine feste Druckform.
4. In der bildenden Kunst
die genaue Nachbildung eines Werkes durch den Küstler selbst (=Replik)
oder durch einen anderen. Im Unterschied zur Reproduktion gleicht die K.
in Format, Material und Technik dem Original; seine von der Hand des Urhebers
geschaffenen Abwandlungen werden als Fassungen bezeichnet.
Korrepetitor, Pianist und (Hilfs)Dirigent an einem Theater, der mit Sängern die Einzelproben abhält (korrepetiert), und als Ballett-K. die Ballettproben betreut.
Kubismus,
Richtung der modernen Malerei und Plastik, 1907 zuerst in Frankreich entwickelt.
1907 begannen Pablo Picasso und Georges Braque, in Anknüpfung an die
Bildraumauffassung von Paul Cézanne, die dargestellten Gegenstände
auf geometrische Grundformen (z.B. Kuben) zurückzuführen. Die
Entwicklung des K. ist um 1915 abgeschlossen, die Erkenntnisse wirkten
jedoch in verschiedenster Form weiter (z.B. im Futurismus).
Kulisse,
mit bemalter Leinwand oder Papier bespannte Holzrahmen, die paarweise hintereinander
an den Seiten der Guckkastenbühne angeordnet wurden und zusammen mit
dem Hintergrundprospekt ein perspektivisches, auf Tiefenwirkung angelegtes
Bühnenbild ergeben. Siehe auch: Deus ex
machina, Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Prospekt,
Versenkung,
Vorhang.
Kunstbetrachtung, Methode der Wahrnehmung und Interpretation von Kunstwerken, die auf möglichst alle Aspekte ausgerichtet ist, welche das Kunstwerk betreffen und dabei die Befindlichkeit des Betrachters miteinschließt.
Kunstgewerbe, siehe Angewandte Kunst
Kunstlied,
siehe Vokalmusik
Libretto, ital. Büchlein, Textbuch für eine Oper, eine Operette, ein Musical, verfaßt von einem Librettisten.
Lied, siehe Vokalmusik
Literaturoper, Gattung in der Operngeschichte am Ende des 19. bzw. Beginn des 20.Jh.s. Anstelle eines Librettos wir die literarische Vorlage eines Dramas vertont. Beispiele: Richard Strauss-Oscar Wilde, Salome; Alban Berg-Georg Büchner, Wozzeck.
Loggia, ital. Laube. 1. Vorne offen, von Säulen oder getragenen Bogenhalle. 2. Balkonähnlicher überdeckter Raum bei Wohnhäusern.
Logo,
griech. logos = das Sprechen, das Wort, die Erzählung, das Berechnen,
die Vernunft, der Grund. Bildzeichen oder kombiniertes Bild-Schrift-Zeichen,
das besonders für Firmen, Vereine o.ä. optisch kennzeichnende
und möglichst einprägsame, "sprechende" Wirkung hat.
Malerei. Neben der Grafik, der Plastik und der Architektur gehört die M. zu den traditionellen künstlerischen Ausdrucksformen. Ihr erstes Wesensmerkmal ist es, daß die dreidimensionale Wirklichkeit unter Zuhilfenahme von Farbe auf zweidimensionale (flächige) Malgründe gebannt wird.
Malerische
Techniken:
Wandmalerei, jede Art von
Malerei auf unbeweglichem Grund.
Fresko, von ital. fresco
= frisch, Wandmalerei mit Kalkfarben auf frischem, noch feuchtem Kalkmörtelputz.
Secco, von ital. secco =
trocken, Malerei auf trockenem Putz; da nicht sehr wetterfest, hauptsächlich
für Innenräume geeignet.
Sgrafitto, von ital. graffiare
= kratzen. Auf einen mit farbigem Sand oder mit kalkechten Pigmenten durchgefärbten
Unterputz wird ein Freskoputz aufgetragen. Aus diesem werden Konturlinien
oder Flächen ausgekratzt. Auch mehrschichtiger Auftrag ist möglich.
Buchmalerei, in der Größenunterscheidung
zur Wandmalerei auch Miniaturmalerei genannt. Technisch werden zwei Arten
der B. unterschieden: die Federzeichnung und die Deckfarbenmalerei, zumeist
auf Goldgrund.
Aquarellmalerei, von lat.
aqua = Wasser. Sie beruht auf der Lasurwirkung der Farben, d.h. die dünn
aufgetragenen Farben decken den Malgrund nicht zu, sondern lassen ihn durchscheinen.
Zwei Techniken: a) das Übereinanderlegen einzelner Farbschichten,
wodurch sich diese optisch mischen;
b) das Malen Naß-in-Naß;
dabei verrinnen die Farben während des Malvorgangs auf dem vorher
angefeuchteten Papier ineinander.
Gouachemalerei, von ital.
guazzo = Wasserplatz. Malerei mit deckenden Wasserfarben. Hellt durch Zusätze
(z.B. Tonerde, Zinkweiß) beim Trocknen stark auf und ergibt eine
luftige, dem Pastell ähnliche Wirkung.
Deckfarbenmalerei, deckende
Malerei mit pigmentreichen Farben, die in einem wasserlöslichen Bindemittel
(z.B. Leim oder Gummi arabicum) angesetzt sind.
Tafelmalerei, ursprüngliches
Malen auf grundierten Holztafeln, später auf aufgespannter, grundierter
Leinwand (Staffelbild).
Temperamalerei, steht mit
ihrem ganz spezifischen Charakter zwischen Wasser- und Ölfarben. Als
Bindemittel werden Emulsionen (z.B. Hühnerei, Kasein oder eine Mischung
aus Leinölfirnis und Leim) verwendet.
Ölmalerei, heute noch
die gebräuchlichste der traditionellen Maltechniken, wenn es sich
um Innenraumgemälde handeln soll, die haltbar und nicht durch eine
Glasscheibe zu schützen sind.
Dispersionsfarbenmalerei,
Pigmente mit verschiedenen Kunstharzdispersionen als Bindemittel.
Mischtechnik, Kombination
verschiedener malerischer und grafischer Techniken.
Manierismus, von lat. manus = Hand über franz. manière = Art und Weise. Im allgemeinen Sprachgebrauch Bezeichnung für ein betont gekünsteltes Benehmen oder die gekünstelte Nachahmung eines Stils. In der europäischen bildenden Kunst Stilbegriff für die Zeit zwischen (Hoch-) Renaissance und Barock, etwa 1520 bis 1600. Der M. spiegelt die sozialen, politischen, wirtschaftlichen Spannungen sowie die geistige Unsicherheit wider, die die Menschen am Ende der Renaissance, am Beginn des Übergangs zum Hochkapitalismus empfanden.
Manifest, von lat. manifestus = deutlich, augenscheinlich, offenkundig. Öffentliche Grundsatzerklärung einer Einzelperson, einer Gruppe oder einer politischen Partei. Z.B. Futuristisches Manifest von Filippo Tommaso Marinetti, 1909; Surrealistische Manifeste von Andrè Breton, 1924 und 1930.
Manipulation, von lat. manus = Hand und lat. plere = voll machen, füllen. l. Handgriff, Kunstgriff, Kniff. 2. Im Handel das Anpassen der Ware an die Bedürfnisse des Verbrauchers. 3. Beeinflussung, gezielte Lenkung (z.B. durch Massenmedien, Kunstkritik).
Mansarde, vom Namen des franz. Architekten Jules Hardouin Mansart (1646-1708) abgeleitet; dieser ist jedoch nicht der Erfinder der M. Bezeichnung für ein Giebeldach von gebrochener Form, das eine günstige Ausnützung des gesamten Dachraumes ermöglicht.
Manuskript, von lat. "mit der Hand geschrieben", ursprünglich die handschriftliche Originalfassung eines Textes im Gegensatz zu den (anfangs handschriftlichen, später gedruckten) Vervielfältigungen; dann jede (hand- oder maschingeschriebene Druckvorlage. Vgl. Autograph.
Matinée, von franz. matin = Morgen, Veranstaltung am Vormittag.
Mausoleum, von griech. mausoleon (lat. mausoleum). Zunächst Bezeichnung für berühmte Grabmal des Königs Mausolos von Karien; später dann auch für andere prächtige Grabmäler.
Mäzenatentum, abgeleitet von Gaius Clinius Maecenas (gest. 8 v. Chr.), einem vornehmen Römer, der einen Kreis römischer Literaten, deren Gönner er war (z.B. Vergil, Properz, Horaz), um sich sammelte. Nach Maecenas wird noch heute ein privater Förderer der Künste Mäzen genannt.
Melodram, siehe Vokalmusik
Messe, siehe Vokalmusik
Minimal
Art, engl., Kunst, die mit einem Minimum (an Mitteln) auskommt.
Eine in den sechziger
Jahren des 20.Jh.s in den
USA entwickelte Richtung in der Plastik. Angestrebt wird eine Rückführung
der Gestaltungsmittel auf einfachste, klar in den Raum gesetzte geometrische
Formen ("primary structures"). Die Objekte sollen ohne Zutat allein aus
der Beziehung von Material, Licht und umgebendem Raum wirken. Eine der
M.A. in der bildenden Kunst verwandte Richtung ist die Minimal Music.
Minimal Music, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Montage,
von franz. monter = aufwärtssteigen, hinaufbringen, aufstellen.
1. Allgemein: Aufbau, Zusammenbau;
Aufstellung von Maschinen und technischen Anlagen.
2. In der Literatur, speziell
in der modernen, das Ein- und Zusammenfügen ("Montieren") von sprachlichen,
stilistischen oder inhaltlichen Teilen unterschiedlicher Herkunft, z.B.
von Sprachklischees aus der überkommenen Literatur.
3. Bei audiovisuellen Medien
ein Gestaltungsmittel, das das Gezeigte dynamisieren und verdichten soll
(Film-, Fotom.).
4. In der bildenden Kunst
das Kombinieren verschiedenartiger, vorwiegend räumlich-körperhafter,
real vorgefundener, d.h. nicht vom Künstler selbst erzeugter Materialien
auf einer Unterlage oder im Raum.
M.en wurden in die europäische
Kunst des 20.Jh.s von den Kubisten eingebracht und, z.T. als gegenläufige
Strömung zur damals vorherrschenden abstrakten Kunst, nach 1950 als
Objektkunst weiter ausgebaut.
Monument, von lat. monere = mahnen bzw. monumentum = Erinnerungszeichen, Denkmal. Denkmal mit architektonischem Anspruch; oft mit Sockel, repräsentativ gestaltet.
Mosaik, von griech. mousa = Muse, auch Kunst; über lat. musivum = Einlegearbeit in Mosaik bzw. ital. mosaico = bunte Vielfalt. Bildwerk oder Ornament aus aneinandergesetzten verschiedenfarbigen Stein- oder Glasstückchen an Wänden, Decken (Gewölben) oder Fußböden mit stark dekorativer Wirkung. Die M.steinchen werden in eine auf das Mauerwerk aufgetragene weiche Kitt- oder Mörtelschicht hineingedrückt. In der griechisch-hellenistischen und antiken römischen Kunst vorwiegend als Fußbodendekoration. In der frühchristlichen und byzantinischen Kunst besonders zur Ausschmückung der Kirchenbauten. Der Betrachter sollte von der Würde des Unnahbaren gebannt werden.
Moschee, von arab. masgid = Ort, an dem man zum Gebet niederfällt. Islamischer Kultbau, in dem sich die Gläubigen zum privaten und öffentlichen Gebet einfinden.
Motette, siehe Vokalmusik
Museum, von griech. mouseion = Musensitz, Musentempel, über lat. museum = Ort für gelehrte Beschäftigung. Bibliothek, Akademie; im 17.Jh. mit der Bedeutung "Kunstsammlung, Altertumssammlung" verwendet. In der griechischen Antike das Heiligtum der Musen (Schutzgöttinnen der Künste); im 3.Jh.v.Chr. Stätte des Aufbewahrens und wissenschaftlichen Bearbeitens künstlerischer und anderer Gegenstände im Alexandrinischen mouseion; heute öffentlich zugängliche Sammlung von als kulturell wertvoll eingestuften Objekten sowie der sie beherbergende Bau. Traditionelle Aufgaben des M.s: Sammeln, Erforschen, Bewahren und Präsentieren.
Musical,
siehe Vokalmusik
Musik
des 20. Jahrhunderts. Im späten 19.Jh. reift die Kulturkritik
am Industriezeitalter, seiner inneren Orientierungslosigkeit u.a. Der Stilpluralismus
des 20.Jh.s beginnt bereits um die Jahrhundertwende: dem Naturalismus setzt
der Symbolismus psychologische Tiefendimensionen entgegen (Generation Sigmund
Freuds),
die der sensible Impressionismus mehr besitzt
als er zugeben will; dem Historismus antwortet
der Jugendstil. Die Musik spiegelt all dies:
sie wird stilistisch vielgestaltiger und freier. Ungehemmt vermag sich
auch Banales mit tiefstem Seelenausdruck zu mischen, wie z.B. in der 1.Symphonie
von Gustav Mahler. Die musikalische Moderne kündigt sich damit an.
Zur Jahrhundertwende mit Spätzeitcharakter und Aufbruchsahnung einer musikalischen Moderne gehören der Impressionismus, der Expressionismus, der Futurismus und der Neoklassizismus, der sich als eine Art "neue Klassik" in Reaktion auf die Spätromantik zur klassischen Ästhetik zurückwendet und die alten Gattungen und Formen neu belebt.Musik und darstellende Kunst, umfaßt die Kunstsparten Musik, Musiktheater, Schauspiel, Ballett, Bühnenbild, ausgeübt, geschaffen, gelehrt von Instrumentalisten, Sängern, Komponisten, Dirigenten, Schauspielern, Regisseuren, Tänzern, Choreographen, Masken-, Kostüm- und Bühnenbildnern, Musikpädagogen usw. Die Ausbildung hiezu erfolgt an Musikschulen, Konservatorien, sowie an Hochschulen für Musik und darstellende Kunst in Wien, Salzburg und Graz.Im Folklorismus wächst das Interesse an den Liedern und Tänzen der Völker als Reaktion auf eine hohe Musikkultur, auf der Suche nach dem Ursprünglichen, sowie als Sammlung und Erhaltung spezifischen musikalischen Materials, das sonst verloren ginge.
Das 20.Jh. ist das Jh. der Neuen Musik (Musica Nova, Musica viva, zeitgenössische Musik, Moderne, Avantgarde). Neue Musik gab es auch zu anderen Zeiten:
die Ars nova um 1320 (Mittelalter),
die Ars nova um 1430 (Renaissance),
die Musica nova um 1600 (Barock),
die neue Musik um 1750 (Klassik),
die neue Richtung um 1820 (Romantik).Jedoch war der Bruch mit der Geschichte wohl nie so stark, und zwar durch die Aufgabe der Tonalität und die Entwicklung der Dodekaphonie (Zwölftonmusik) durch Josef Matthias Hauer (1883-1959) und Arnold Schönberg (1874-1951), und in weiterer Folge durch Schönbergs Schüler Alban Berg (1885-1935) und Anton Webern (1883-1945), bis zur Aufgabe des gesamten traditionellen Musik- und Werkbegriffe (John Cage). Gleichzeitig aber blieb vieles von diesem Bruch so gut wie unberührt (U-Musik, Neoklassizismus, Opern- und Konzertpraxis).
Das 20.Jh. praktiziert einen musikalischen Stilpluralismus wie keine Zeit zuvor. Dazu tragen die reiche Präsenz der eigenen Vergangenheit, die erweiterte Kenntnis der Musik anderer Völker und die Verfügbarkeit von Musik auf Schallplatte bei.
Nach einem Stillstand in den 30er und 40er Jahren erfolgt nach dem 2.Weltkrieg um 1950 ein starker Aufwind zu Neuem.
Man empfand allgemein eine Zäsur:
ästhetisch als Erweiterung des Musik- und Kunstwerkbegriffs, auch des Hörens;
stilistisch als Ende des Neoklassizismus und Beginn des seriellen Denkens;
technisch als Aufbruch in die elektronische Musik und in eine neue Klangwelt.Auch erhalten U-Musik mit Jazz-, Pop- und Rockmusik durch Elektronik und Medien ungeahnte Verbreitung.
Musique concrète, von Pierre Schaeffer 1948/49 so benannte Lautsprecher - Musik mit konkretem Klangmaterial wie Geräuschen, Lärm, Instrumentalklängen, Vogelstimmen, die mit Tonband aufgenommen und im Studio der ORTF durch Auswahl, Veränderung und Collage zu Stücken verarbeitet wurden.
Engagierte Musik. Im Bewußtsein der nicht abreißenden Greuel, Mißstände und des Unrechts aller Art haben viele Musiker sich mit ihrer Kunst sozial und politisch engagiert für eine humanere Welt. Z.B. Luigi Nono, Intolleranza (1960/61), Sul ponte di Hiroshima (1962).
Serielle Musik. Um 1950 drängte die Avantgarde auf totale Bestimmbarkeit der Einzeltöne (punktuelle Musik). Vorbild war das Reihendenken Anton Weberns (Vgl. Dodekaphonie der Wiener Schule; Schönberg, Berg, Webern). Analog zur alten Reihe der Tonhöhen baute man Reihen mit 12 (oder weniger) Stufen auch für die übrigen Parameter Dauer, Stärke, Farbe bzw. Anschlag (4 Elementreihen). Z.B. Pierre Boulez, Le marteau sans maître (1952-54).
Aleatorik, von lat. alea = Würfel, Zufall, bezeichnet zunächst in der Elektronik Vorgänge, deren Verlauf im groben festgelegt, im einzelnen aber vom Zufall abhängt, dann als Folge der seriellen Musik eine musikalische Form, die mit Wahlfreiheiten des Interpreten auf verschiedenen Ebenen und in gewissen Grenzen rechnet.
Elektronische Musik kam mit der Erfindung des Magnettonbandes um 1950 als neue Musikart zur Vokal- und Instrumentalmusik hinzu. Man versteht darunter nicht eine elektronisch verstärkte Musik, sondern elektronisch erstellte Klänge, Kompositionen. Das 1. Studio für elektronische Musik wurde 1951 am NWDR in Köln eingerichtet (Leitung: Herbert Eimert, ab 1963 Karlheinz Stockhausen).
Intuitive Musik. Beeinflußt von John Cage, Fernost, Popmusik u.a. entstand zur Zeit der Unruhen 1968 eine sehr einfache, meditative Musik, offen für irrationale Intuition. Die Weitung von Zeit und Raum entflieht westlicher Industriehektik ebenso wie das kollektive "für Ensemble" sich vom romantischen Genie-Streben absetzt.
Postserielle Musik bringt in den 60er Jahren das experimentelle Musiktheater (John Cage, Music Walk; György Ligeti, Aventures), die Klangkomposition (G.Ligeti, Volumina) und eine große Vielseitigkeit in Form und Ausdruck.
Minimal music, engl., Musik (Kunst), die mit einem Minimum (an Mitteln) auskommt, kam Mitte der 60er Jahre in den USA auf, parallel zu der mit wenigen Elementen arbeitenden Minimal art. Charakteristisch sind eine stark meditative Musizierhaltung und eine Art Klangkontinuum. Die Musik ist einfach zu erfassen: kein Kunstwerkcharakter, sondern Klangprozesse, geplant oder spontan, sehr lang; jedoch nicht starr, sondern in geringen Variationen und Phasenverschiebungen. Hauptvertreter Steve Reich (geb. 1936) und Philip Glass (geb. 1937).
Neue Einfachheit, kam um 1970 als Schlagwort auf, analog zu den Neuen Wilden in der Kunst, heftig attakiert von den Betroffenen, denn viele jüngere Partituren sind weder "neu" noch "einfach", sondern mit alten Techniken vertraut, voll Geschichtsbewußtsein und sehr komplex, oft mit körperhafter Melodik und Rhythmik, viel Farben und Harmonie (auch Dur/Moll).
Musikwissenschaft, Musikologie = Lehre von der Musik. Universitäten mit Instituten für Musikwissenschaft sind in Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck eingerichtet.
1. Historische Musikwissenschaft:Musique concrète, siehe Musik des 20. Jh.s
Instrumentenkunde - beschäftigt sich mit Bau, Spielweise und Geschichte der Instrumente;
Ikonographie (musikalische Bildkunde) - deutet musikalische Darstellungen der Malerei und der bildenden Kunst, z.B. von Instrumenten, Aufführungen usw.;
Aufführungspraxis - versucht ein Bild von der musikalischen Wirklichkeit in der Geschichte zu gewinnen (Zusammenhang zwischen Notentext und klanglicher Erscheinung);
Notationskunde - erforscht Aufzeichnungsweise von Musik;
Quellenkunde - erschließt Notentexte und sonstige Quellen zur Musikgeschichte;
Biographie - orientiert über Leben und Schaffen der Musiker; sie war ein Hauptgebiet der Musikwissenschaft im 19.Jh.;
Satzkunde - analysiert die Struktur eines Werkes;
Terminologie - interpretiert satzkundliche, gattungsgeschichtliche, stilkundliche und sonstige musikalische Begriffe (lat. Terminus, -i = Fachausdruck);
Stilkunde - untersucht gattungsgeschichtliche Merkmale, die über das Einzelwerk hinaus Gültigkeit haben und den musikalischen Stil einer Gattung oder einer Epoche, eines Komponisten oder einer Schule manifestieren;2. Systematische Musikwissenschaft:
Musikalische Akustik - untersucht die physikalischen Grundlagen der Musik, der Musikinstrumente, der Räume;
Physiologie - beschäftigt sich mit Bau und Funktion des Gehörs und der Stimme;
Physiologie des Instrumentalspiels - setzt sich mit Körperbewegung und Spieltechnik auseinander (Instrumentalpädagogik);
Musikpsychologie - befaßt sich mit der Wirkung der Musik und des musikalischen Kunstwerkes auf den Menschen;
Musiksoziologie - untersucht Musik und musikalisches Verhalten in der Gemeinschaft;
Musikpädagogik - befaßt sich mit Problemen der Musikerziehung, ihren Zielen und Methoden im privaten und schulischen Bereich;
Musikphilosophie - stellt an die Musik die Frage nach ihrem Wesen;
Musikästhetik - stellt die Frage nach dem Schönen in der Musik;
Musikalische Volkskunde oder Musikethnologie - untersucht die Musik im Brauchtum der Völker;3. Angewandte Musikwissenschaft:
Instrumentenbau - restauriert alte, entwickelt und baut neue Musikinstrumente;
Musiklehre - vermittelt das theoretische Wissen um die Musik; Teilbereiche: Harmonielehre, Kontrapunkt, Instrumentenlehre, Formenlehre u.a.;
Musikkritik - mißt Aufführungspraxis und (neue) Werke an Qualitätsmaßstäben der Ästhetik, der Stilkunde usw.
Neoklassizismus, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Neue
Einfachheit, siehe Musik
des 20. Jahrhunderts
Neue
Sachlichkeit, Verismus, Richtungen besonders der europäischen
Kunst nach 1920 mit starkem Wirklichkeitsbezug und gegenständlichen
Ausdrucksmitteln. Ähnlich wie bei einigen Künstlern des Expressionismus
läßt sich zu Beginn der 20er Jahre unseres Jahrhunderts auch
im Schaffen anderer deutscher Künstler eine Annäherung an die
gesellschaftliche Realität beobachten. Am weitesten ging darin eine
Gruppe von Malern, die man Veristen nennt. Die Schrecken des 1.Weltkrieges
und die gesellschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit bedeuteten
für sie eine Herausforderung. Die "Darstellungswürdigkeit" von
Arbeitslosen, Kriegskrüppeln und Prostituierten schockierte. Bekanntester
Vertreter des Verismus, von lat. veritas = Wahrheit, war Otto Dix. 1925
kam es zu einer Ausstellung nachexpressionistischer gegenständlicher
Malerei und Graphik, die die Prägung des Begriffs "Neue
Sachlichkeit" zur Folge hatte. Ihre Problematik war die Entfremdung
des Menschen in einer unmenschlichen Umwelt. Doch im Unterschied zu den
Veristen zeigten sie den Menschen losgelöst von konkreten sozialen
Bedingungen. Sie banden ihn hinein in eine allgemeine pessimistische oft
fatalistische Grundstimmung mit magischen oder surrealen Zügen.
Neue
Wilde, auch: Junge Wilde, Neue Malerei, Heftige Malerei.
Bezeichnung für eine
Richtung der Malerei seit etwa 1980 besonders in Italien, Deutschland auch
Österreich, die sich durch gegenständliche, stark gestisch -
expressive Farb- und Formensprache auszeichnet. Die Bezeichnung leitet
sich von den "klassischen" Fauvisten ab, als Kunsthändler und - Kritiker
dieses Attribut Bildern einer Gruppe von jüngeren deutschen Malern
in einer Berliner Galerie verliehen.
Oper, siehe Vokalmusik
Operette, siehe Vokalmusik
Opus, lat. Werk, Mehrz. opera, Abkürzung op., Werk eines Komponisten, mit einer (Opus)Zahl zur Bezeichnung der Reihenfolge versehen.
Oratorium, siehe Vokalmusik
Orchester,
größeres Ensemble von Instrumentalisten mit chorischer Besetzung
der Stimmen (unisono oder divisi). Im Gegensatz dazu stehen die solistischen
Besetzungen der Kammermusik (Duo bis Dezimett). Die chorische Besetzung
bedingt Unterordnung des einzelnen Musikers bis zur Übernahme gleicher
Techniken (wie Stricharten usw.) zugunsten eines Ensemblegeistes, der wesentlich
vom Dirigenten geprägt wird. Nach der Besetzung unterscheidet man
Symphonie-, Kammer-, Streich-, Blas-, Blechblasorchester, nach den Aufgaben:
-Opern-, Kirchen-,
Unterhaltungs, Rundfunkorchester.
Das Operno. spielt im Gegensatz zur Konzertpraxis des Symphonieo.s nicht
auf dem Podium sondern sitzt aus Sichtgründen in einer Versenkung
vor der Bühne, im sog. Orchestergraben, der den Klang zugleich dämpft
und verschmelzen läßt.
Orchester
("orchestra") war im griechischen und römischen Altertum der Theaterspielplatz,
wo auch der Chor auftrat. Im Mittelalter fehlt der Begriff "Orchestra".
Später bezeichnet er den Platz, wo in der Oper die Instrumentalisten
sitzen. Erst im Laufe des 18.Jh. bezieht er sich auf das Spielerensemble
selbst.
Kapelle ("cappella") hießen im ausgehenden Mittelalter und in der Renaissance die Vokalensembles (mit begleitenden Instrumenten). Mit dem Vordringen einer selbständigen Instrumentalmusik im 16./17.Jh. wurde cappella auch für das Instrumentalensemble gesetzt, später allerdings auch in abwertender Bedeutung gegenüber Orchester. Heute bedeutet a-cappella den Chorgesang ohne Begleitung von Instrumenten.
Im Mittelalter und der Renaissance herrschte das solistische Spiel vor. Bläser überwiegten. Die Besetzung war frei. Man spielte Vokalwerke. Erst in den "Sacrae Symphoniae" (1597) weist Giovanni Gabrieli die Stimmen bestimmten Instrumenten zu.Orchesterlied, siehe VokalmusikIm Orchester des Barock stehen sich zwei Gruppen gegenüber:
Fundamentinstrumente: Cello, Fagott, Laute, Orgel, Cembalo usw., die den Generalbaß ausführen, und die
Melodieinstrumente: Violine, Flöte, Oboe usw., für die Oberstimmen.Der Kapellmeister leitet das Orchester vom Cembalo aus, die Besetzung variiert stark.
Das klassische Orchester entwickelt sich in der zweiten Hälfte des 18.Jh.s in Mannheim und Paris. Sein vom 4stimmigen Streichersatz und doppeltem Holz geprägter Klang wurde bald zur Norm.
Im 19.Jh. wächst das romantische Orchester stark an, vor allem im Bereich der Blechblasinstrumente.
Im 20.Jh. erweitert sich vor allem die Gruppe der Schlaginstrumente und der Elektrophone. Dem Riesenorchester treten aber auch kleine Gruppen entgegen. Z.B. die Kammersymphonie für 15 Spieler von Arnold Schönberg
Ornament, von lat. ornamentum = Ausrüstung, Schmuck. Verzierung, Verzierungsmotiv. O. ist die Bezeichnung für das einzelne motovische Schmuckwerk im Unterschied zur Ornamentik als der Summe der Schmuckmotive. Die beiden Hauptformen ornamentaler Gestaltung sind das geometrische O. und das vegetabilische oder Pflanzen-O.
Ornamentik,
Sammelbegriff für die Ornamente eines bestimmten Stils, einer Kulturepoche,
eines bestimmten Bauwerks, eines Kunstgegenstandes. In der Musik die Lehre
und Ausführung der Verzierungen.
Palast, von lat. palatium = Palast, kaiserlicher Hof. Unbefestigtes, repräsentatives Wohngebäude eines Herrschers oder Adeligen; im Unterschied zum Schloß meist in der Stadt gelegen.
Paraphrase,
von griech. paraphrasis = erklärende Umschreibung.
1. Allgemein: Erklärende
Umschreibung eines Textes mit anderen bzw. mehr Worten.
2. In der Musik freie Umspielung,
Ausschmückung einer Melodie. Besonders in der Salonmusik des 19.Jh.s
sehr beliebt (z.B. Franz Liszt).
3. In der bildenden Kunst
freie bildnerische Umsetzung eines vorgegebenen Bildmotivs.
Particella, ital. Teilchen, deutsch Particell, Entwurf zu einer Partitur, bei dem die Instrumente in Gruppen (Notensystemen) zusammengefaßt sind.
Partita, siehe Instrumentalmusik
Partitur, ital. partitura, übersichtlich nach einzelnen Instrumenten und -gruppen bzw. Gesangsstimmen geordnete Niederschrift von Musikwerken, sodaß die gleichzeitig erklingenden Noten untereinander stehen, mit senkrecht durchlaufenden oder nach Gruppen unterbrochenen Ordnungsstrichen (Taktstrichen) verbunden.
Passacaglia, siehe Instrumentalmusik
Passepartout, franz., meist aus Karton geschnittene Umrahmung einer Zeichnung oder eines druckgrafischen Blattes.
Passion, siehe Vokalmusik
Pavillon, um 1600 aus dem franz. pavillon = Zelt, Kriegs- und Schutzzelt entlehnt; seit dem 18.Jh. gilt es im Sinne von "kleines Gartenhaus, Gartenlaube, Festzelt". Kleiner vieleckiger oder runder, ganz oder teilweise offener Profanbau, entweder freistehend oder als Teil eines größeren Gebäudes, bes. eines Schlosses.
Performance,
engl., von lat. performare = umformen.
1. Allgemein: Handlung,
Ausführung, Erfüllung, Aufführung (Theater, Musik).
2. In der Psychologie Bezeichnung
für die Leistung einer Versuchsperson in einem Handlungstest.
3. In der zeitgenössischen
bildenden Kunst eine Form der Aktionskunst der 60er und 70er Jahre, bei
der Gestaltung und Aussage im Ablauf einer bis in die Einzelheiten geplanten
Handlungsabfolge gemacht werden.
Pietà, von lat. pietas = Pflichtgefühl, Frömmigkeit, Gottesfurcht. Marienklage. Plastische, seltener gemalte Darstellung der "Schmerzhaften Muttergottes", die den toten Christus auf ihrem Schoß hält.
Plagiat, lat., bewußte Verletzung des Urheberrechts, indem fremdes Geistesgut als eigenes ausgegeben wird.
Plakat, franz. placard = (Tür-, Wand-)Verkleidung, Anschlagzettel, Aushang. Optisches Werbemittel. Öffentlich angebrachte bildliche und/oder schriftliche Mitteilung im Dieste wirtschaftlicher, politischer oder kultureller Werbung bzw. Propaganda.
Plastik,
von griech. plastikos = zum Bilden, Formen, Gestalten gehörig.
1. In der Medizin operativer
Ersatz von Gewebs- und Organteilen.
2. In der bildenden Kunst:
Bildhauerkunst. Neben Architektur, Malerei und Grafik die vierte der sog.
Grundkunstformen.
Pop Art, von engl. pop = Stoß, Knall; seit den 60er Jahren des 20.Jh.s im Sinne von popular = populär verwendet. Richtung der modernen Kunst, die Ende 1950 in England und den USA unabhängig voneinander entstand und sich in der Folge auf dem europäischen Kontinent ausbreitete.
Postserielle Musik, siehe Musik des 20. Jahrhunderts.
Première, erste Vorstellung einer Neuinszenierung oder Neueinstudierung. Vlg. auch Uraufführung und Erstaufführung.
Primaballerina, ital. "erste Tänzerin", erste Solotänzerin im Ballett. Bedeutungssteigerung: Primaballerina assoluta = die absolut größte (bedeutendste) P. ihrer Zeit.
Primadonna, ital. "erste Dame", seit dem Ende des 17. Jh.s vor allem in der ital. Oper die erste Sängerin, Vertreterin der Hauptrolle. Bedeutungssteigerung: Primadonna assoluta = die absolut größte (bedeutendste) P. ihrer Zeit, z.B. Maria Callas.
Profanbau,
von lat. profanus = vor dem heiligen Bezirk liegend, ungeheiligt, gemein,
ruchlos. Im Gegensatz zum Sakralbau jene Architektur, die nicht religiös
- kultischen Zwecken dient.
Prospekt,
Hintergrundvorhang der Kulissenbühne, täuscht Raumtiefe durch
perspektivische Bemalung vor. Siehe auch: Deus
ex machina, Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Versenkung,
Vorhang.
Entstehung der modernen Naturwissenschaft (heliozentrisches Weltsystem, Naturgesetze anstelle göttlicher Weltlenkung),Repertoire, franz., Gesamtheit der Bühnenwerke, die das Ensemble eines Theaters spielen kann; auch alle Rollen, die ein Sänger, ein Schauspieler einstudiert hat, alle Werke, die ein Orchester, ein Solist beherrscht.
Entdeckung und Ausweitung neuer überseeischer Handelswege,
hohes Entwicklungsniveau der Warenproduktion durch Entwicklung von Technik und Technologie,
Einführung der Geldwirtschaft,
städtische Kultur, Entstehung neuer Gesellschaftsklassen: des Bürgertums und der Arbeiterklasse,
Entstehung von Nationalstaaten.Das neue Menschenbild führte auch zu einem neuen Künstlertypus: das Genie, das sich als schöpferische Kraft in einer übergreifenden göttlichen Ordnung erlebt.
In der Philosophie richtete man sich gegen die mittelalterliche Scholastik und Theologie; es entwickelte sich die Auffassung vom unendlichen, sich nach eigenen Gesetzen bewegenden Weltall (Giordano Bruno, Galileo Galilei).
In der Literatur wendete man sich inhaltlich dem Diesseits zu; die Werke zeigen realistische, lebensfrohe Züge in den verschiedensten formalen Ausprägungen, und man schrieb in den nationalen Sprachen. Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio in Italien, Francois Rabelais in Frankreich, Miguel de Cervantes in Spanien und William Shakespeare in England.
In der Baukunst führt die Orientierung an der Antike zu einer neuen Einfachheit der Linie, der Form und der Proportionen (Bramantet, Michelangelo).
In der Malerei werden Natürlichkeit angestrebt, die Perspektive ausgebildet und der Mensch ins Bild gerückt (Michelangelo, Raffael, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Gebrüder van Eyck, Pieter Breughel).
In der Plastik schafft man die freistehende Gestalt (Donatello).
Die Musik des 15./16.Jh.s fand zur Orientierung an der Antike zwar keine Originale vor wie andere Künste, doch lassen sich Renaissanceelemente auch in ihr aufzeigen. Sie führen gegenüber dem Mittelalter zu einer Vermenschlichung der Musik.
Der Mischklang der Spätgotik weicht dem Vollklang der R. in der niederländischen Vokalpolyphonie;
die Linie entwickelt durch polyphone Schichtung den Akkord;
die statischen Quint-Oktavklänge werden von weichen Terzen und Sexten überflutet;
die funktionale Dreiklangharmonik bereitet sich vor;
die einfache, vom menschlichen Atem gegliederte Melodie wird zum Ideal;
neu ist die Forderung nach Natürlichkeit in der Musik; die Musik soll die Natur nachahmen, indem sie als Vokalmusik den Text nachahmt, d.h. dessen Afekt- und Ausdrucksgehalt wiedergibt.Das 15. und 16.Jh. zeigen eine durchgehende Entwicklung in Haltung und Kompositionstechnik. Mittelpunkt ist die mehrstimmige Vokalmusik. Der Höhepunkt wird mit Orlando di Lasso und G.P.da Palestrina erreicht. Die Instrumentalmusik entwickelt gleichsam als Gegengewicht zur vorherrschenden Vokalmusik eine erste Selbständigkeit. Das Zentrum des Schaffens verlagert sich von Frankreich über den franko-flämischen Raum und das burgundische Stammland nach Italien, das im 16.Jh. die Führung übernimmt.
Reprint, engl., Nachdruck.
Reproduktion, von lat. re- = Vorsilbe mit der Bedeutung "zurück, wieder", und lat. productio = das Hervorführen. In der Drucktechnik die Nachbildung und Vervielfältigung von Schrift und Bild mittels fotografischer, fotomechanischer oder menueller Verfahren.
Requiem, siehe Vokalmusik
Requisiten, kleine Teile der Dekoration oder Gegenstände, der der Darsteller für sein Spiel benötigt.
Restaurierung, von lat. retaurare = wiederherstellen. Wiederherstellung von Werken der bildenden Kunst einschließlich der Architektur und von kulturhistorisch interessanten und wertvollen Gegenständen.
Rezitativ,
siehe Vokalmusik
Rokoko,
von franz. rocaille = Grotten, Werk aus Muscheln. Stilrichtung der europäischen
Kunst von etwa 1720-70. Aus dem Barock hervorgegangen,
dessen leidenschaftlicher Bewegungsstil in eine heiter-liebenswürdige
Dekorationskunst verwandelt wurde. Die Eleganz des R. entfaltete sich vor
allem in asymmetrisch architektonischen und kunstgewerblichen Schmuckformen.
Das R. trat zuerst in Frankreich auf, wo als Träger des neuen Stilempfindens
nicht mehr der absolutistische Herrscher fungierte, sondern die ganze aristokratische
Gesellschaft. Diese forderte im Bereich der bildenden Kunst nicht mehr
überdimensionale Repräsentation, sondern die Intimität des
Innenraumes, der mit einem lockeren Schmuckwerk überzogen wurde. Die
Rocaille in ihren schlängelnden, wellenförmigen Bewegungen wurde
zum Grundmotiv der Dekoration.
In der Literatur wurde die
"Grazie" zum obersten Prinzip erkoren. Man propagierte ein neues Lebensgefühl,
das in heiterer Lebensfreude und verfeinertem Sinnengenuß Leben und
Kunst harmonisch zu verbinden versucht. Die wichtigsten Themen der Lyrik,
des Dramolettes, des Singspiels, der Idylle sind Lieben, Trinken, Singen,
Geselligkeit, Natur.
In der Musik bildete das
R. gleichfalls in verspielten Kleinformen den Übergang vom Barock
zur Wiener Klassik.
Romanik,
von romanice = auf romanische Art. Der Begriff R. wurde um 1820 geprägt,
zunächst nur für die Baukunst, da in dieser Elemente der römischen
Baukunst (Rundbogen, Säule, Steingewölbe) benutzt werden. Erster
umfassender europäischer Kunststil, 11. bis Anfang des 13.Jh.s. Vorstufen:
Karolingische Kunst und Ottonische Kunst.
In der Architektur manifestiert sich der Stil der R. am reinsten, als ein geschlossenes Weltbild, das in tiefer Religiosität wurzelt. Die wesentlichsten Merkmale: Weiterentwicklung der frühchristlichen Basilika mit Lang- und Querhaus; plastisch-körperhafte Gliederung; schwerer, meist horizontal gelagerter Massenbau, zusammengesetzt aus stereometrischen Formen (Kubus, Kegel, Zylinder); maßvolle Unterordnung der einzelnen Teile zueinander; große Wandstärken, bedingt durch Zweckmäßigkeit (Verteidigung) und Konstruktion (Aufnahme des Gewölbeschubes); Rundbogen; das aus einer Summierung gebildete Tonnengewölbe; das aus der Durchdringung zweier Tonnengewölbe entstehende Kreuzgewölbe; dieses bedingt das Quadrat als Grundrißelement; Gliederung der Innenwände durch Säulen und Pfeiler; Emporen (Galerien) über den Seitenschiffen oder dem Westteil des Kirchenraumes; mächtige, gedrungene Türme, schießschartenähnliche Fenster; ernste, feierlich-monumentale Wirkung.
Die Plastik bleibt im wesentlichen im Verband der Architektur. Sie schmückt die Pforten und Kapitelle.
Die Malerei der R. ist im wesentlichen auf die Wand- und Buchmalerei beschränkt.
In der Musik des Mittelalters fällt zeitlich etwa mit der Romanik die küstlerische Entwicklung des Gregorianischen Chorals zusammen. Die Bezeichnung geht auf Papst Gregor I. zurück, der um 600 eine umfassende Sammlung, Vereinfachung und Vereinheitlichung der liturgischen Gesänge durchführte. Der Gregorianische Choral ist die erste große musikalisch-künstlerische Leistung des Christentums und zugleich die älteste, bis heute lebendig gebliebene Kunstform des Abendlandes. Komponisten aller Jahrhunderte haben sich immer wieder mit den gregorianischen Gesängen auseinandergesetzt und aus diesem geschöpft. Besondere Bedeutung hat für das geistliche volkstümliche Lied, den Minnegesang, die Entwicklung der mehrstimmigen Kunstmusik, die Ausbildung der Cantus-firmus-Technik, das deutsche Kirchenlied der Reformationszeit, die Kirchenmusik des 19.Jh.s, Kompositionen des 20.Jh.s. Die zentrale Gattung der Gregorianik ist die Messe.
Um das Jahr 1000 tritt an die Stelle des hochgeehrten germanischen Heldensängers der Spielmann. Die Spielleute - die Unterhaltungsmusiker ihrer Zeit - machten weite Reisen durch ganz Europa und waren Instrumentalisten, Spaßmacher, Gaukler und Sänger in einer Person. Das Instrumentarium der Spielleute war reichhaltig. Als Entgelt gab es vor allem Essen und Trinken, an Höfen auch abgelegte Kleider.
Eine andere Gruppe von fahrenden Sängern sind die Vaganten (von lat. = umherschweifen). Diese fahrenden "ewigen" Studenten (oft auch heruntergekommene Kleriker) ragen durch ihre "Halbbildung" aus der Masse heraus. Ihre meist anonymen Dichtungen sind in lateinischer oder in einer deutsch-lateinischen Mischsprache abgefaßt; Liebe und Umtrunk bilden die Hauptthemen. Die bedeutendste Sammlung von welticher Lyrik des Mittelalters sind die Carmina burana, wahrscheinlich am Hofe des Bischofs von Seckau im 13.Jh. entstanden, 1803 im bayerischen Kloster Benediktbeuren entdeckt.
Die weltliche Lyrik des Mittelsalters begann im letzten Drittel des 11.Jh.s mit den Troubadours in Südfrankreich; im 13.Jh. wird der Troubadourgesang der Provance von der Kunst der Trouvères in Nordfrankreich abgelöst.
Um die Mitte des 12.Jh.s setzt die mittelhochdeutsche Lyrik ein, die wegen ihrer vorherrschenden Liebesthematik Minnegesang genannt wird. Die Verehrung der "Herrin", der meist verheirateten adeligen Frau, steht im Mittelpunkt der Dichtung. Bedeutende Minnesänger sind: Dietmar von Aist, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Neidhart von Reuenthal, Walther von der Vogelweide, Oswald von Wolkenstein und Ulrich von Liechtenstein.
Mit dem Niedergang des Rittertums und dem Erstarken der Städte im 14.Jh. wird der Minnegesang vom bürgerlichen Meistergesang abgelöst. Der bedeutendste Meistersinger war Hans Sachs (1494-1576).
Die R. war Ausdruck des Unbehagens und der Kritik der Künstler an der Kulturfeindlichkeit des beginnenden Hochkapitalismus. Die R. betonte Gefühl und Phantasie, das Volkstümliche und Nationale, setzte sich für religiöse Ideale ein und erging sich oft in mystischer Schwärmerei. Man sammelte Märchen und Sagen (Brüder Grimm) und legte große Volksliedersammlungen an (z.B. "Des Knaben Wunderhorn").
In der Architektur führte die R. zu einer Wiederentdeckung der Gotik (Neogotik), zur Vollendung und Wiederherstellung vieler Burgen und Kirchen. Englische Landschaftsgärten wurden angelegt, in die sich Bauten naturverbunden, "romantisch" einfügten.
In der Malerei zeigten stimmungsvolle Landschaften oft den Menschen in inniger Verbundenheit mit der Natur (bes. Caspar David Friedrich).
In der Musik gilt das 19.Jh. als das Jh. der Romantik. Zwischen der Spätklassik und den Anfängen der Neuen Musik entfaltete sich in dieser Epoche ein fast unübersehbarer Reichtum an musikalischen Stilerscheinungen. Schon im Werk Beethovens lassen sich viele romantische Aspekte erkennen. Beethoven bleibt für das ganze 19.Jh. eine prägende und vorbildliche Gestalt. In der R. zieht ein neues poetisches, metaphysisches Element in die Musik ein, und es kommt zu einer Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Idee und Erscheinung, zwischen Verstand und Gefühl: Ich-Ausdruck, Subjektivismus und Emotion dominieren, und ein dem positivistischen Zeitgeist des 19.Jh.s entsprechendes dynamisches Prinzip bringt alle Mittel zum Wachsen: Strukturen, Gestalten, Spieltechnik, Klang der Instrumente und des Orchesters.
Frühromantik 1800-30: E.T.A.Hoffmann, Undine (1816); C.M.v.Weber, Freischütz (1821); Franz Schubert.
Hochromantik (1830-50): Hector Berlioz, Symphonie fantastique (1830; Franz Liszt; Nicolo Paganini; Robert Schumann; Frèdèric Chopin; Felix Mendelssohn-Bartholdy; Richard Wagner (romantische Opern); Giuseppe Verdi; Giacomo Meyerbeer.
Spätromantik (1850-90): R.Wagner (Musikdrama); G.Verdi (Opern der Reifezeit); Johannes Brahms; Anton Bruckner; Hugo Wolf.
Jahrhundertwende (1890-1914): Giacomo Puccini; Gustav Mahler; Claude Debussy; Richard Strauss; Arnold Schönberg.
Salonorchester,
aus dem 19.Jh. sind bis heute in Kaffeehäusern und Kurorten zu finden.
Zur Zeit des Stummfilms waren sie auch in den Kinos vertreten. Der Besetzung
liegt das Klaviertrio (Violine, Violoncello, Klavier) zugrunde, dazu kamen
ein 2. Stehgeiger, Viola, Schlagzeug, Bläser, je nach Art , ob Wiener
oder Pariser Besetzung.
Sarkophag,
griech. “Fleischfresser”, ein aus Stein, Ton oder Metall gefertiger, oft
kunstvoll geschmückter Sarg. Die alten Griechen begruben ihre Toten
meist in schlichten Sarkophagen. Erst seit dem 4. Jh. v. Chr. wurde die
Ausgestaltung mit Reliefs (Alexander-Sarkophag) oder Malereien (Paestum)
häufiger. Die Etrusker benutzten oft Sarkophage, deren Deckel eine
plastische Nachbildung des Toten und deren Wände Reliefs tragen, die
Szenen aus der Unterwelt oder symbolhaft aufzufassende, mythologische Bilder
enthalten. Von den Etruskern übernahmen die Römer den bei ihnen
seit dem 2. Jh. n. Chr. üblichen Sarkophagtypus. Darstellungen aus
dem täglichen Leben und zahllose mythologische Themen, die vielfach
auch symbolisch auf den Toten und den Tod Bezug nehmen, schmücken
in unterschiedlichster Art die Außenseiten. Später wurden die
Sarkophage mit christlichen Symbolen versehen. Eine eigene Stellung nehmen
die Sarkophage in Ravenna ein, die überwiegend im 5. und 6. Jh. n.
Chr. entstanden sind. Siehe auch: Epitaph, Grabmal,
Sepulcrum,
Totenmaske.
Schlager, nennt man ab der Mitte des 19.Jh.s beliebte Melodien aus Oper und Operette, später auch Neuanfertigungen. Durch die Medien der Konsumgesellschaft, bes. die Schallplatte und den Rundfunk, wurde der Schlager zur musikalischen Ware mit hohen Umsätzen. An der rational und professionell organisierten Schlagerproduktion arbeiten mit: Texter, Komponist, Arrangeur, Sänger, Spieler, Aufnahmeteam, Designer, Marktstrategen, bis hin zum Disjockey und Showmaster. Der Schlager appelliert an einfachste Hörgewohnheiten und Gefühle. Selten originell, liegt er immer im Modetrend, den er z.T. auch selbst steuert.
Schloß,
von althochdeutsch, mittelhochdeutsch sloz = (Tür) Verschluß,
Riegel; seit dem 13.Jh. auch feste Burg, Kastell.
1.Vorrichtung zum Herstellen
einer festen, jedoch lösbaren Verbindung (Verriegelung) zwischen einem
festen und einem beweglichen Teil, besonders für Türen.
2. Teil der Handfeuerwaffe,
in dem die Patronenzuführung, das Abfassen und das Auswerfen der Hülse
erfolgen.
3. In der Kunst: Wohnbau
der Hocharistokratie von besonders großzügiger und repräsentativer
Gestaltung; im Unterschied zum Palast meist in freier Lage und mit Garten
oder Park; im Gegensatz zur Burg meist unbefestigt.
Secession,
von lat. secessio = das Abseitsgehen, die Trennung.
1. Im Völkerrecht die
Herauslösung eines Staatenteils aus einem Einheitsstaat oder einer
Staatenverbindung.
2. Ende des 19.Jh.s häufig
der Name für oppositionelle Künstlervereinigungen, die mit den
erstarrten akademischen Programmen der herrschenden Gruppen nicht einverstanden
waren und sich von diesen trennten. Gründung von "Secessionen" 1892
in München, 1897 in Wien in Berlin. Wahlspruch der Wiener Secession:
"Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit."
Seicento,
ital. = 600 (Abk. für 1600), Bezeichnung für die Kunst des 17.Jh.s
in Italien.
Sepulcrum,
das, Mz. sepulcra, lat. Grabstätte. Siehe auch: Epitaph,
Grabmal,
Sarkophag,
Totenmaske.
Serenade, siehe Instrumentalmusik
Serielle Musik, siehe Musik des 20. Jahrhunderts
Signatur,
von lat. signum = Zeichen.
1. Im Bibliothekswesen eine
Standortnummer des Buches innerhalb einer Sammlung. Meist ist diese am
Buchrücken oder an der Innenseite des Deckels angebracht.
2. In der bildenden Kunst
die volle oder abgekürzte, auch verschlüsselte, offen oder versteckt
angebrachte Urheberangabe eines Künstlers an seinem Werk.
Skizze,
von ital. schizzo = ursprünglich Spritzen, Spritzer; Spritzer mit
der Feder; Entwurf, Skizze.
1. Aus der Kunst- in die
Literaturwissenschaft übernommene Bezeichnung für den ersten
Entwurf, das vorläufige Handlungsgerüst; auch eine kleine eigenständige
Erzählung, die jedoch bewußt bruchstückhaft - unvollendet
gehalten ist.
2. In der bildenden Kunst
flüchtiger, zusammenfassender Entwurf eines Bildes, eines Bauwerkes
oder einer Plastik; jede flüchtige Zeichnung , die einen Natureindruck
festhalten soll.
3. In der Musik lose und
nicht zusammenhängende Niederschrift von Motiven, Themen usw. als
Entwurf für eine Komposition. Vorstufe zum Particell und zur Partitur.
Soirée, von franz. soir = Abend, Abendveranstaltung im Gegensatz zur Matinée.
Sonate, siehe Instrumentalmusik
Sonatine, siehe Instrumentalmusik
Soubrette, franz. "Kammerzofe", die muntere Liebhaberin (vorwiegend Koloratursängerin) in Spieloper und Operette.
Souffleur, franz. "Einbläser", weibl. Souffleuse, Position im Theater (meist eine Frau), die den Text mitspricht und den Darstellern, falls nötig, weiterhilft (souffliert). Der S. (die S.) sitzt für das Publikum unsichtbar im S.kasten an der Bühnenrampe.
Stagione, ital. Jahreszeit, Saison, insbesondere die Spielzeit der italienischen Operntheater; auch der ital. Opernensembles, die für einen zeitlich begrenzten Spielplan zusammengestellt werden. Der St.-Betrieb ist auch im 19. und 20.Jh. für das ital. Operntheater kennzeichnend, ebenso für jenes in Spanien, Portugal und den USA.
Standing Ovations, siehe Applaus
Statue, von lat. stare = stehen, im 17./18.Jh. aus lat. statua = Standbild, Bildsäule entlehnt. Standbild. Vollplastische Darstellung einer menschlichen oder tierischen Gestalt. Wie das Bild durch den Rahmen, so ist die S. in der Regel durch einen Sockel oder ein Postament, in der Gotik auch durch ein Gehäuse (Tabernakel) gegen ihre Umgebung optisch abgesetzt.
Stele, griech., frei aufrechtstehende hohe Platte aus Stein, seltener aus Metall oder Holz, mit Inschriften und Reliefs; diente als Grabmal, Weihestein, Urkundenstein, Grenzstein, Siegsdenkmal, Kultobjekt u.a.
Stil, von lat. stilus = Stiel, Griffel, Schreibart. Die besondere Art und Weise jeder künstlerischen Darstellung; bezeichnet die Einheit der Formen, die in einem Kunstwerk zum Ausdruck kommt. Man unterscheidet: Personalstil (individuelle Darstellungsweise eines Künstlers), Zeitstil (überindividuelle Charakteristika einer Epoche, z.B. Romanik, Gotik) und Lokalstil (Charakteristika einer lokalen Region). Siehe auch (in chronologischer Abfolge) Romanik, Gotik, Ars antiqua, Ars Nova, Renaissance, Barock, Rokoko, Klassik, Biedermeier, Romantik, Historismus, Jugendstil, Impressionismus, Expressionismus, Musik des 20. Jahrhunderts, Jazz; weiters siehe Trecento, Quattrocento, Cinquecento, Seicento.
Stilleben, Darstellung geordneter toter oder regungsloser ("stiller") Dinge in Malerei und Grafik, in einer vom Künstler geschaffenen (also nicht "natürlichen") Anordnung.
Suite, siehe Instrumentalmusik
Sujet, franz., Gegenstand, Stoff, Aufgabe einer künstlerischen Darstellung, z.B. einer Dichtung, einer Oper.
Surrealismus, franz. "Überrealismus", Bezeichnung für eine nach 1918 in Paris entstandene Kunstrichtung, bei der die bildnerische Wiedergabe der Wirklichkeit aus dem Unterbewußtstein und dem Irrationalen kommt. 1924 Manifest des Surrealismus von André Breton. Wichtige Vertreter des S.: Salvador Dali, Max Ernst, Joan Miro, z.T. Pablo Picasso.
Symphonie, siehe Instrumentalmusik
Synagoge,
von griech. synagoge = zusammenkommen. Eigentlich die Volksversammlung,
dann das Versammlungsgebäude der jüdischen Glaubensgemeinschaft.
Für die orthodoxen Juden, die täglich um die Wiedererrichtung
des Tempels in messianischer Zeit beten, ist die S. auch heute nur eine
"Zwischenlösung" (weshalb sich z.B. in einer S. kein siebenarmiger
Leuchter befinden sollte); für das liberale Judentum, das die Hoffnung
auf eine Wiedererrichtung des Jerusalemer Tempels aufgegeben hat, ist die
S. ein gültiger Tempelersatz, und deshalb gelten auch S. und Tempel
als gleichbedeutende Begriffe.
Tempel, von lat. templum = ursprünglich vom Augur zur Beobachtung und Deutung des Vogelfluges mit dem Stab am Himmel und auf der Erde abgegrenzter Beobachtungsraum; geweihter, heiliger Raum, Weihestätte; Heiligtum; Haus für einen Gott, Stätte des Kults. Anfänglich ein abgegrenzter Platz, in dessen Mitte sich der Opferstein befand, auf dem die Priester dem Gott Opfer darbrachten; auch Offenbarungsstätte von Gottheiten. In der Regel Mittelpunkt eines abgeschlossenen sakralen Bezirks, meist nur von Priestern zu betreten.
Terminologie, lat., die Gesamtheit der Fachausdrücke einer Wissenschaft oder einer Sparte.
Terminus, von lat. terminus = Grenzstein, Grenze, Schranke. Bezeichnung, der festgelegte (wissenschaftliche) Fachausdruck.
Timbre, franz., die besondere Klangfarbe eine Stimme (eines Instruments), das unverlierbar Persönliche, Eigenartige, Unnachahmliche. Physikalisch gesehen ergibt sich das T. aus der Zusammensetzung der Obertöne.
Torso,
von ital. torso = Fruchtkern, Strunk.
1. Plastisches Werk, das
im Laufe der Zeit Schäden erlitten hat oder durch den Tod des Künstlers
unvollendet blieb.
2. Gewollte "Unfertigkeit"
einer Plastik, um die Aussagekraft der ausgeführten Stellen noch zu
steigern.
3. In der Musik im übertragenen
Sinn eine unvollendet gebliebene oder bewußt unvollendet belassene
Komposition.
Totenmaske,
meist unmittelbar nach dem Tod eines Menschen abgenommene, aus Gips oder
Wachs bestehende Gesichtsmaske, die die Züge des Verstorbenen wiedergibt.
Siehe auch: Epitaph, Grabmal,
Sarkophag,
Sepulcrum.
Transkription,
lat., Umschreibung, Übertragung, z.B. für eine andere instrumentale
oder vokale Besetzung.
Trecento,
ital. = 300 (Abk. für 1300), Bezeichnung für das vorwiegend gotische
14.Jh. in der Kunst Italiens.
Triptychon,
von griech. tri = drei bzw. dreimal, und griech. ptychos = Falte, Schicht.
1. Im Altertum eine aus
drei Teilen bestehende zusammenlegbare Schreibtafel.
2. In der bildenden Kunst
ein dreiteiliges (Altar-)Bild, bestehend aus dem Mittelbild und zwei Seitenflügeln.
3. In der Musik (im übertragenen
Sinn) ein Operndreiteiler. Z.B. I l trittico von Giacomo Puccini, bestehend
aus drei Operneinaktern; Der Mantel, Schwester Angelica, Gianni Schicchi.
Uraufführung,
allererste Aufführung eines musikalischen Werkes im Gegensatz zur
(regionalen Erstaufführung und zur Première.
Urheberrecht.
Zur Wahrung des U. gibt es in allen Ländern nationale Verwertungsgesellschaften,
in Österreich die AKM, in Deutschland die GEMA, für Oper und
Konzert, Druck und sog. mechanische Rechte bei Tonträgern (Schallplatte,
Cassette, CD usw.). Die Musikverbraucher zahlen Gebühren an die Verwertungsgesellschaften,
die nach Punkten an die Produzenten (Komponisten, Texter usw.) verteilt
werden (Tantiemen). Das meiste Geld bringt die U-Musik. Die Punktezahl
richtet sich nach Gattung und Länge.
Vedute, von lat. videre bzw. ital. vedere = sehen. Zeichnung, Stich oder Gemälde eines Gebäudes in der Landschaft oder einer Stadt in möglichst sachgetreuer Wiedergabe. Der Bildtypus entwickelte sich im 17.Jh. zu einer Selbständigkeit und erlebte durch die venezianischen Maler, welche im 18.Jh. die Fürstenhöfe Europas bereisten, seine größte Blüte (z.B. Canaletto).
Verismo, von ital. vero = wahr. Der in der Literatur aufkommende Realismus und Naturalismus führten in der Musik Italiens gegen Ende des 19.Jh.s zur Ausprägung dieses Opernstils. Ziel ist eine realistische Darstellung der Welt ohne romantische Illusion oder Idealisierung, mit der inzwischen dringend notwendigen Sozialkritik. Die Handlung, oft in einfachsten Schichten spielend, zeigt sich leidenschaftlich, kraß, zuweilen brutal mit Mord, Blut und Entsetzen, um zu erschüttern. Z.B. Pietro Mascagni, Cavalleria rusticana; Ruggiero Leoncavallo, Der Bajazzo; Giacomo Puccini, La Bohème). Vgl. Vokalmusik, Abschnitt Oper.
Verismus, siehe Neue Sachlichkeit
Vernissage,
von franz. = eigentlich Lackierung. Eröffnung einer Kunstausstellung.
Versenkung,
Teil des Bühnenbodens, der durch eine Vorrichtung in der Unterbühne
gesenkt oder hochgefahren werden kann. Beliebter Effekt für das Erscheinen
von Geistern und Teufeln. Siehe auch: Deus ex
machina, Drehbühne, Gasse,
Guckkastenbühne,
Kulisse,
Prospekt,
Vorhang.
Villa,
von lat. villa = Landhaus. In der römischen Antike das zum Landgut
gehörende Wohnhaus, später Sommerhaus, oft am Meer gelegen und
von Gärten umgeben. Wiederaufnahme der antiken V. in der ital. Renaissance.
In der sog. Gründerzeit der 2. Hälfte des 19.Jh.s stellen die
von Gärten umgebenen Villenbauten der Fabriksbesitzer, des Bank- und
Handelskapitals den Ausdruck und das Abbild der Stadtflucht dar. Eine moderne
Sonderform der V. ist das Penthouse, eine speziell in den Großstädten
der USA verbreitete "Stadtvilla" auf dem Dach eines Hochhauses.
Vokalmusik,
von lat. vox = Singstimme, Gegensatz zur Instrumentalmusik. Die Geschichte
der abendländischen V. beginnt mit vorchristlichen Weisen, von denen
sich Spuren im Kinderlied erhalten haben. Der Gregorianische Choral ist
reine V. geblieben. Die Blüte der V. lag zeitlich rund 200 Jahre vor
der Instrumentalmusik, die sich mit der V. entwickelte und sich allmählich
von ihr löste. Stärker als bei der Instrumentalmusik,
unterscheidet man bei der V. in kirchlich und weltlich. Die V. ist in ihren
Formen und Gattungen in weitgehendem Maße von der Anzahl der Stimmen
und der Gestalt des Textes abhängig.
Gattungen und Formen der V.:Volkskunst, Künstlerische Erzeugnisse eines Volkes, die nach Entstehung und Verwendung an bestimmte gesellschaftliche Schichten und Gruppen gebunden sind (z.B. Bauern, Fischer, Hirten, Handwerker usw.). V. umfaßt als Sammelbegriff Volkstanz, Volkslied, Volkserzählung sowie im engeren Sinn des Wortes die künstlerischen Seiten der materiellen Volkskultur (Haus, Möbel, Kleidung, Geschirr u.a.).
DasRezitativ (ital. Sprechgesang); man unterscheidet zwei Arten:
a) das Secco - Rezitativ (von ital. secco = trocken), bei dem der Sänger einen Prosatext syllabisch (silbenmäßig) deklamiert, nur von "trockenen" Cembalo- oder Streicherakkorden unterstützt. Es beginnt in der Regel immer mit einem Sextakkord und schließt mit einem Ganz- oder Halbschluß.
b) das Accompagnato, das vom Orchester begleitete Rezitativ mit thematischen Zwischenspielen.Das Melodram, (griech.), ist eine Kunstform, die Musik und gesprochenes Wort verbindet. Schon die Griechen bedienten sich in ihrem Drama dieser Möglichkeit. Am Beginn des 19.Jh.s wurde das M. eine beliebte Form, am stärksten wirkend, wenn es nur in spannende Szenen eingestreut wird (z.B. Beethoven, Fidelio, Kerkerszene; C.M:v.Weber, Freischütz, Wolfsschluchtszene). R.Schumann schrieb seinen "Manfred " zunächst als M.. Am Anfang des 20.Jh. entstanden das "Hexenlied" von Max von Schillings und "Enoch Arden" von R.Strauss. Das M. ist eine zweispältige Gattung; der Versuch, eine ergiebigere Verschmelzung von Sprache und Musik zu finden hat zum Rezitativ geführt. Einen anderen Weg ging A.Schönberg, indem er das Sprechen auf genaue Tonhöhe und Tondauer festlegte (z.B. in seinem "Pierrot lunaire"). Für Ida Rubinstein, die in den zwanziger Jahren eine Verbindung zwischen Sprache und Tanz anstrebte, schrieben Artur Honegger "Johanna auf dem Scheiterhaufen" und Igor Strawinsky "Persephone".
Die Arie ist ein vom Orchester begleiteter längerer Sologesang in der Oper und im Oratorium. Die barocke Da-capo-Arie (um 1700) hatte die Form A-B-A, benannt nach dem Vermerk "Da Capo" am Ende des Teiles B, da der letzte Teil (A) meist nicht mehr ausgeschrieben wurde. Die klassische Arie nähert sich manchmal der Sonaten- oder Rondoform; die romantische Arie ist oft dreiteilig (Accompagnato-Adagio-Allegro). Meist ohne Rezitativ ist die aus der Da-capo-Arie entstandene 1-2 teilige Kavatine.
Beim Lied unterscheiden wir zwischen Volkslied und Kunstlied. Das Volkslied ist ein einfaches, leicht faßliches Lied, das sich durch lange Zeit, von Mund zu Mund verbreitet, im Volke lebendig erhalten hat. Meist ist unbekannt, wer Text und Melodie geschaffen hat. Das Volkslied ist stets ein Strophenlied. Das Kunstlied ist oft ein variiertes Strophenlied oder ein durchkomponiertes Lied, in welchem jede Strophe ihrem Inhalt nach sowohl in der Solostimme als auch in der Begleitung ausgedeutet wird. Eine Erweiterung bedeuten das vom Orchester begleitete Orchesterlied (Hugo Wolf, Richard Strauss) und das symphonische Lied (z.B. Gustav Mahler, Das Lied von der Erde).
Die wichtigsten mehrstimmigen Vokalformen sind das alte weltliche Chorlied, das Madrigal, sowie der vielstimmige religiöse Chor, die Motette.
Die Kantate (von lat. Singstück) ist ein größeres Chorwerk, vorwiegend lyrischen Inhalts, für Gesang, Chor und Instrumentalbegleitung, welches in der Regel mehrere Sätze (Rezitative, Arien, Chöre, Instrumentalritornelle) umfaßt.
Das Oratorium ist im allgemeinen ein abendfüllendes, meist geistliches Werk für Soli, Chor und Orchester in nichtszenischer, d.h. konzertanter Aufführung. Die Bezeichnung leitet sich vom lat. Oratorium = Betsaal ab, in dem man Bibellesungen und andächtige Betrachtungen mit geistlichen Liedern (Lauden) abhielt. Ihm liegt eine Handlung zugrunde, die von einem Erzähler (Testo, Historicus), meist eine Tenorpartie, rezitativisch vorgetragen wird; dazwischen stehen betrachtende Chöre und Arien.
Eine Abart des Oratoriums stellt die Passion dar, die die Leidensgeschichte Christi schildert. Der Erzähler heißt hier Evangelist, der Chor der wütenden Volksmenge ("Kreuzige ihn!") heißt Turba.
Als frühestes Zeugnis eines Oratoriums ist Cavalieris Rapppresentazione di anima e di corpo (Darstellung der Seele und des Körpers), entstanden in Rom um 1600, mit Rezitativen, Chören und Tänzen erhalten. In der Frühzeit des Oratoriums wurden meist Stoffe aus dem Alten Testament, zuweilen auch aus dem Neuen Testament oder aus Heiligenlegenden vertont.
Die Neapolitanische Schule mit Alessandro Scarlatti (1660-1725) führte nach dem Opernvorbild das Secco-Rezitativ und das Accompagnato, sowie die Da-Capo-Arie ins Oratorium ein. Höhepunkt dieser Entwicklung sind die Oratorien von G.F.Händel in London; Esther (1732), Messias (1742), Judas Maccabäus (1746) u.v.a.
Eine Wende bringt das Oratorium der Klassik und des 19.Jh.s., eingeleitet von Joseph Haydn mit seiner Schöpfung (1798) und den Jahreszeiten (1801). Die Gesamtanlage ist dreiteilig (im Barock allgemein zweiteilig) und behandelt die Erschaffung der Erde und Pflanzen, der Tiere und Menschen und das Leben des ersten Paares im Paradies, das einen einzigen Dankgesang darstellt. Haydns Schöpfung hatte einen weltweiten Erfolg. Sie rief zahlreiche Chorgründungen hervor und begünstigte die weitere Pflege des Oratoriums auch außerhalb der Kirche.
Im 20.Jh. gibt es keine generelle inhaltliche oder formale Richtung des Oratoriums, aber zahlreiche interessante Kompositionen. Le Roi David (König David) von Artur Honegger (1921), Oediupus Rex von Igor Strawinsky (1927), Die Jakobsleiter von Arnold Schönberg (1917-1922).
Die textliche Grundlage der Passion ist die biblische Leidensgeschichte Christi mit ihrer dramatischen Aktion: Erzählerpart (Evangelist), wörtliche Rede und Gegenrede Einzelner (Soliloquenten wie Christus, Pilatus, Petrus) und Ausruf der Menge Turbae)
Wir unterscheiden drei Erscheinungsformen:
1) Die Motettische Passion; der gesamte Evangeliumstext wird mehrstimmig durchkomponiert, also auch die erzählende Partie des Evangelisten.
2) Die Responsoriale Passion; der Vorsänger wechselt mit dem Chor, wobei der Evangelist einstimmig, die Soliloquenten 2-3stimmig und die Turbae mehrstimmig chorisch ausgeführt werden.
3) Die Oratorische Passion. Im Laufe des 17.Jh.s wurden in die Passionen Choräle und liederartige Arien mit eigenem Text aufgenommen. In dieser Entwicklung entsteht die oratorische Passion mit der Übernahme der neueren Formen aus Oper und Oratorium:
- Secco-Rezitativ: für den Evangelisten und die Soliloquenten, mit Continuo-Orgel und Streicherbaß;
- Accompagnato: als lyrische Betrachtung oft zwischen Secco-Rezitativ und Arie geschoben; z.B. die Christusworte in der Matthäuspassion von J.S.Bach;
- Da-Capo-Arie; Arioso und Chöre mit frei hinzugedichteten Texten.So gliedert sich Bachs Matthäuspassion in zwei Teile mit 3 Doppelchören, 13 Chorälen, 11 Ariosi und 15 Arien, insgesamt in 78 Nummern (Nummerierung der Musikstücke wie in Oper und Oratorium).
Moderne Passionen im 20.Jh. verwenden alle textlichen und musikalischen Möglichkeiten der Darstellung. Z.B. Lukaspassion von Penderecki (1964/65).
Die Messe als musikalische Form ist eine Vertonung der lateinischen Ordinariumstexte. Die einzelnen Sätze heißen nach dem Textanfang Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei. Die Sätze der Totenmesse, des Requiem, heißen Requiem, Dies irae, Domine Jesu, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei, Lux aeterna.
Zu den Formen und Gattungen des Musiktheaters zählen die Oper, die Operette, das Singspiel und das Musical.
Die Oper ist ein musikalisches Drama, in dem, anders als im Schauspiel mit Musikeinlagen, die Musik am Handlungablauf und an der Schilderung von Gefühlen wesentlich beteiligt ist. Die Verbindung der verschiedenen Künste Musik, Dichtung, Dramatik, Malerei, Bühnenbild, Tanz, Gestik enthält viele Möglichkeiten, aber auch Widersprüche, sodaß die Geschichte der Oper unterschiedlichste Ausprägungen der Gattung kennt.
Die Oper entstand in der Renaissance am Ende des 16.Jh.s in Florenz, wo ein Humanistenkreis von Dichtern, Musikern und Gelehrten (Florentiner Camerata) das antike Drama wiederzubeleben suchte, in dem Gesangssolisten, Chor und Orchester beteiligt waren. So schuf man nach dem Vorbild der Pastoraldramen des 16.Jh.s die ersten Opernlibretti und setzte sie in Musik mit den Mitteln der Zeit:
die neue Monodie (Singstimme mit Generalbaßbegleitung);
madrigaleske und motettische Chöre;
Instrumentalritornelle und -tänze.Die ersten Opern auf Texte von Ottavio Rinuccini sind Jacopo Peris Dafne (1597, verloren) und Euridice (1600), sowie Giulio Caccinis Euridice (1600). Der Durchbruch zur großen barocken Oper gelang Claudio Monteverdi mit seinem Orfeo (Mantua 1607).
Venedig ist bald das Opernzentrum in Norditalien. 1637 wird dort das erste kommerzielle Opernhaus eröffnet.
Ende des 17.Jh.s und im 18.Jh. übernimmt die Neapolitanische Schule mit Alessandro Scarlatti (1660-1725) die Führung. Bedeutendster Textdichter (Librettist; vgl. Libretto = Operntextbuch) ist Pietro Metastasio. Zentraler Operntyp wird die ernste Opera seria mit ihrer Folge von Secco-Rezitativen für die Handlung und großen Da-Capo-Arien zur Affektdarstellung. Als Ouverture erklingt die Neapolitanische Opernsinfonia (Satzfolge: schnell-langsam-schnell). In der Opera seria dominierte die Musik. Die Handlung trat zurück, die Musikstücke wurden nummeriert (Nummernoper). Stärkste Ausprägung fand diese Barockoper bei G.F.Händel.
Daneben entwickelte sich in Neapel aus den Zwischenakteinlagen der Opera seria, den Intermedien, die heitere Opera buffa mit den bürgerlichen Stoffen der Commedia dell`arte. Z.B. La serva padrona (Die Magd als Herrin, 1732) von G.B.Pergolesi. Die Opera buffa gibt im 18.Jh. Impulse zur Überwindung von Ensembles und Finali.
Bewußt einfach gibt sich das deutsche Singspiel des 18.Jh.s mit gesprochenen Dialogen und Liedern. Z.B. W.A.Mozart, Bastien und Bastienne, Die Entführung aus dem Serail.
Die Oper der Klassik, besonders Mozarts Buffooper, bringt dann eine Dramatisierung der alten Nummernoper, ohne auf absolute musikalische Elemente zu verzichten.
Frankreich hatte eine eigene Operntradition mit dem Ballet de cour (seit 1581), dem Comédie-Ballet und der höfischen Tragédie lyrique von J.B.Lully im 17.Jh.. Diese orientierte sich am klassischen französischen Theater (Sprache, 5Akte) und hatte muikalisch freie Rezitative, liedhafte Airs, Chöre und Tänze, sowie als Einleitung die Französische Ouverture (Satzfolge: langsam-schnell-langsam). Im 18.Jh. entsteht die bürgerliche Opéra comique mit gesprochenen Dialogen. Über die Revolutions- oder Schreckensoper entwickeln sich die Große Oper - Grande Opéra des 19.Jh.s (J.Massenet und G.Meyerbeer) und in ganz Europa die Nationaloper.
Daneben entsteht als Seitenzweig der Oper die parodistische Operette (J.Offenbach). Ihre Blüte erlebt die klassische Operette als sog. Goldene Operette im 19.Jh. (F.v.Suppé, C.Zeller, K.Millöcker, J.Strauß) sowie als sog. Silberne Operette im 20 Jh. (F.Lehar, E.Kalman, R.Stolz).
Die italienische Oper mit ihrer hohen Gesangskultur verlor zwar gegen Ende des 18.Jh.s ihre Vorherrschaft in Europa an die franz. Opéra comique und Grande Opéra, erhielt aber zu Beginn des 19.Jh.s neuen Glanz durch Gioacchino Rossini. Die Musik behält jedoch gegenüber der Dramatik ihre Eigenständigkeit. Gegen die zunehmende Dramatisierung setzt der Lyriker Vincenzo Bellini das Ideal einer hochstilisierten, aber ausdrucksstarken Schönheit nach dem Vorbild Mozarts. Er erfand Melodien von ungewöhnlicher Qualität, nur schlicht begleitet (Belcanto!). Als bedeutendster Opernkomponist in Italien gilt Giuseppe Verdi. Seine Musik erhält ihre Beseelung vom menschlichen Gehalt des Textes. Verdi schreibt keine Buffo-Opern sondern große dramatische Werke. Alle psychologischen Feinheiten werden nicht mit Hilfe eines symphonischen Orchestersatzes wie bei R.Wagner sondern nur durch die hohe Qualität der Melodie ausgedrückt. Der in der Literatur aufkommende Realismus und Naturalismus führten in der Musik Italiens gegen Ende des 19.Jh.s zum sog. Verismo (von ital. vero = wahr). Ziel ist eine realistische Darstellung der Welt ohne romantische Illusion oder Idealisierung, mit der inzwischen dringend notwendigen Sozialkritik. Die Handlung, oft in einfachsten Schichten spielend, zeigt sich leidenschaftlich, kraß, zuweilen brutal mit Mord, Blut und Entsetzen, um zu erschüttern. Z.B. Pietro Mascagni, Cavalleria rusticana; Ruggiero Leoncavallo, Der Bajazzo; Giacomo Puccini, La Bohème).
In Deutschland zeigt die romantische Oper (C.M.v.Weber, Freischütz, 1821) die Tendenz, das Schema der Nummernoper in wechselvolle Szenen und Arien aufzulösen.
Das Musikdrama von Richard Wagner ist dann konsequent durchkomponiert: Szenenfolge und Text sind Grundlage einer fortlaufenden Musik mit "unendlicher Melodie", Sprechgesang, Leitmotivtechnik, farbenreichem Orchester und einer expressiven, hochromantischen Harmonik. Weiters erreicht das Wagnersche Musikdrama das Gesamtkunstwerk durch die Vermengung der Künste.
Das Musical ist eine in den USA entstandene Sonderform der europäischen Operette. Sie verzichtet auf die traditionelle Operetten-Dramaturgie zugunsten revueähnlicher szenischer Auflockerung und Betonung des Tänzerischen. Stofflich wird häufig auf klassische Bühnenthemen zurückgegriffen (Shaw, Shakespeare), daneben werden aber auch aktuelle Probleme abgehandelt, wie die Frage der Psychoanalyse, das Negerproblem, die Kolonisierung, Jugendprobleme u.a.
Volkslied,
siehe Vokalmusik
Vorhang,
Abschluß der Bühnenöffnung gegen den Zuschauerraum. Der
feuerpolizeilichen, sicherheitstechnischen Trennung dient der "eiserne
Vorhang", meist künstlerisch auf der Zuschauerseite ausgestaltet.
"Vorhang" im übertragenen Sinn bedeutet das Herausklatschen der Künstler
vor den Vorhang. Siehe Applaus.